PSMA-PET bei Prostatakarzinom

Erstellt am 21 Sep 2015 20:54
Zuletzt geändert: 11 Dec 2020 22:59

Abstract

Die Bezeichnung "PSMA-PET" steht für Untersuchungen mittels Positronen-Emissions-Tomographie unter Nutzung des Radiopharmakons Ga-68-DOTA-PSMA.

Beschreibung / Funktionsprinzip / Hintergrund

Da Ga-68-DOTA-PSMA relativ selektiv an prostata-spezifisches Membran-Antigen (PSMA) auf der Oberfläche von Tumorzellen bindet, ermöglicht es als Radiotracer eine vergleichsweise genaue und gezielte Darstellung von Prostatakarzinom-Ansammlungen im Körper. Es soll daher insbesondere zum Nachweis sehr kleiner Tumorherde und bei niedrigen Werten des Tumormarkers PSA geeignet sein. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Bindungsspezifität keineswegs 100% beträgt; PSMA findet sich generell im Rahmen der Gefäßneubildung als Oberflächenantigen; des Weiteren kommt es auch bei anderen soliden Tumoren vor.
Als weiterer Vorteil der Anwendung von Ga-68-DOTA-PSMA wird genannt, dass die Substanz aufgrund der kurzen Halbwertszeit und der benötigten geringen Aktivitäts-Mengen zu einer vergleichsweise niedrigen Strahlenexposition führe.

Sozialrechtliche Anerkennung

Sozialrechtlich ist die PSMA-PET bei Prostatakarzinom derzeit ebenso wie jede andere Form der PET, unter Anwendung anderer Radiopharmaka, im Regelfall bzw. in der ambulanten Regelversorgung nicht anerkannt.

Mit Beschluss vom 21.12.2017 hat allerdings der Gemeinsame Bundesausschuss die Aufnahme der PSMA-PET-CT in den Katalog der gesondert zu vergütenden Maßnahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung § 116b SGB V (ASV-Versorgung) beschlossen. Der Beschluss ist mit Datum vom 26.04.2018 rechtskräftig geworden.

Gemäß diesem Beschluss kann die 68GA-PSMA-PET;PET/CT in der folgenden Situation im Rahmen der ASV-Versorgung erfolgen:

Bei Patienten mit einem PSA-Rezidiv nach radikaler Prostatektomie (durch zwei Messungen bestätigter PSA-Wert >0,2 ng/ml) oder nach alleiniger Bestrahlung (durch zwei Messungen bestätigter PSA-Anstieg von >2 ng/ml über den postinterventionellen Nadir) eines lokalisierten Prostatakarzinoms, falls die Lokalisation des Rezidivs durch eine MRT Untersuchung des Beckens nicht möglich war und für den Patienten eine Operation oder Strahlentherapie im Falle eines lokalen Rezidivs in Betracht kommt.

Spezifität

Sasikumar A. Specificity of 68Ga-PSMA PET/CT for Prostate Cancer - Myths and Reality. Indian J Nucl Med. 2017 Jan-Mar;32(1):11-12. doi: 10.4103/0972-3919.198449.
68Ga-PSMA ligand PET/CT for imaging prostate cancer is a novel imaging technique, which is rapidly gaining popularity. Sufficient evidence has been accumulated in literature regarding the usefulness of 68Ga-PSMA PET/CT in prostate cancer. Recently literature regarding the localization of 68Ga-PSMA PET/CT imaging in non-prostatic malignancies is also published, thus questioning the specificity of the tracer with regards to prostate cancer. This commentary tries to address the issue of specificity of 68Ga-PSMA PET/CT and its relevance in imaging prostate cancer.

Wirkung und Wirksamkeit

Grundsätzliches: Nicht jede Prostata­krebs-Entität weist eine PSMA-Anreicherung auf! Auch innerhalb desselben Tumors kann es Areale mit wenig oder keiner Expression geben.

This trial is registered with the Australian New Zealand Clinical Trials Registry, ANZCTR12617000005358.
In dieser multizentrischen, zweiarmigen, randomisierten Studie rekrutierten wir Männer mit biopsiegestütztem Prostatakrebs und Hochrisikomerkmalen in zehn Krankenhäusern in Australien. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip einer konventionellen Bildgebung mit CT und Knochenscan oder einer Gallium-68 PSMA-11 PET-CT zugewiesen. … Wir fanden eine geringere Sensitivität (38 % [24-52] vs. 85 % [74-96]) und Spezifität (91 % [85-97] vs. 98 % [95-100]) für die konventionelle Bildgebung im Vergleich zum PSMA PET-CT. Subgruppenanalysen zeigten ebenfalls die Überlegenheit von PSMA PET-CT (Fläche unter der Kurve der Empfängerbetriebskennlinie 91% vs 59% [32% absoluter Unterschied; 28-35] für Patienten mit Beckenknotenmetastasen und 95% vs 74% [22% absoluter Unterschied; 18-26] für Patienten mit Fernmetastasen).
Auswertung: PSMA PET-CT ist ein geeigneter Ersatz für die konventionelle Bildgebung und bietet eine höhere Genauigkeit als die kombinierten Befunde von CT und Knochenscan.

Dietlein F, Kobe C, Neubauer S, Schmidt M, Stockter S, Fischer T, Schomäcker K, Heidenreich A, Zlatopolskiy BD, Neumaier B, Drzezga A, Dietlein M. PSA-stratified performance of 18F- and 68Ga-labeled tracers in PSMA-PET imaging of patients with biochemical recurrence of prostate cancer. J Nucl Med. 2016 Dec 1. pii: jnumed.116.185538. [Epub ahead of print]

Budäus L, Leyh-Bannurah SR, Salomon G, Michl U, Heinzer H, Huland H, Graefen M, Steuber T, Rosenbaum C. Initial Experience of 68Ga-PSMA PET/CT Imaging in High-risk Prostate Cancer Patients Prior to Radical Prostatectomy. Eur Urol. 2015 Jun 24. pii: S0302-2838(15)00513-8:
Sensitivität von 33,3% und Spezifität von 100%. Der positive prädiktive und der negative prädiktive Wert des Ga-PSMA-PET-CT in der Detektion von LK-Metastasen lag in dieser Studie bei 100% und 69.2%. Somit wurde eine relevante Anzahl von Lymphknotenmetastasen durch das Gallium-PSMA-PET übersehen.
Eine deutschsprachige Zusammenfassung der Studie wurde von Budäus auf den Internetseiten der Hamburger Martini-Klinik zur Verfügung gestellt.

Die Ergebnisse der Untersuchung von Budäus et al. unterscheiden sich gravierend von den Ergebnissen einer relativ kurz zuvor publizierten Studie von Afshar-Oromieh et al1. Ein Kommentar zu der Studie von Afshar-Oromieh et al. von Prof. Dr. Thomas Steuber wurde ebenfalls auf den Internetseiten der Hamburger Martini-Klinik zur Verfügung gestellt.
Wichtigster Kritikpunkt an der viel zitierten Auswertung durch Afshar-Oromieh et al. ist die Tatsache, dass dort alle eingeschlossenen Patienten ein tatsächliches Rezidiv aufwiesen (angezeigt durch steigende PSA-Werte) und somit gar keine keine echt-negativen Patienten ausgewertet wurden. Insofern, so die Kritik von Steuer, der aus statistisch-methodischer Sicht zuzustimmen ist, war die Analyse von Spezifität, Sensitivität, PPV und NPV anhand der Gesamtkohorte methodisch nicht zulässig. Die publizierten Zahlen seien aufgrund dieses methodischen Fehlers wertlos.

Sowohl Steuer als auch Budäus verweisen auch auf ähnliche Diskrepanzen zwischen frühen Angaben zur Testgüte der Colin-PET und später in prospektiven Studien erhobenen Zahlen2.

Heidenreich A, Böhmer D. Multimodale Therapie des lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinoms. Urologe 2016; 55:333–344. DOI 10.1007/s00120-016-0046-0:
Stellenwert der PSMA-PET:

"Das Prostataspezifische-Membranantigen-Positronenemissionstomogramm(PSMA-PET)/CT wird insbesondere in der bildgebenden Lokalisationsdiagnostik bei Patienten mit einem biochemischen Rezidiv nach lokaler Primärtherapie eingesetzt. In der primären Stagingdiagnostik vor RPE waren die bisherigen Ergebnisse mit einer Sensitivität und Spezifität von 33,3 % bzw. 100 % sowie einem positiven und negativen prädiktiven Wert 100 % bzw. 69,2 % moderat Erfolg versprechend. Der Durchmesser der korrekt identifizierten bzw. falsch-negativen Lymphknotenmetastasen war mit 13,6 mm vs. 4,3 mm signifikant different und stellt die routinemäßige Anwendung des PSMA-PET/CT in Frage."

Maurer T, Gschwend JE, Rauscher I, et al. Diagnostic Efficacy of (68)Gallium-PSMA Positron Emission Tomography Compared to Conventional Imaging for Lymph Node Staging of 130 Consecutive Patients with Intermediate to High Risk Prostate Cancer. J Urol. 2016 May;195(5):1436-43. doi: 10.1016/j.juro.2015.12.025:
In der Studie von Maurer T, Gschwend JE, Rauscher I, et al. 2016 entdeckten die Autoren intraoperativ Metastasen, die mit der präoperativen PSMA-PET/CT primär nicht entdeckt worden waren und berichteten eine Sensitivität von knapp 66 % bei individueller Auswertung je Patient.

Allerdings kann anhand der vorliegenden Evidenz wenig Zweifel daran bestehen, dass die Ga68-PSMA-PET-CT die derzeit sensitivste Methode zum Aufspüren von Prostatakarzinom-Herden darstellt. Zu diesem Ergebnis kam auch eine Evidenzbewertung des Scottish Intercollegiate Network / Healthcare Improvement Scotland vom April 2017 mit dem Titel Non-FDG tracers for use in PET-CT for suspected recurrent prostate cancer: evidence note 67.

Siehe auch in diesem Wiki:

Weblinks


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