PET bei Hirntumor

Erstellt am 10 Oct 2015 14:06
Zuletzt geändert: 11 Nov 2020 19:51

Derzeit (2020) ist noch die NOA-10 / GLIAA-Studie der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft aktiv, die den Nutzen der Aminosäuren-PET mit dem der MRT in der Rezidivsituation beim Glioblastom vergleichen soll. Es handelt sich um eine prospektive, randomisierte multizentrische Phase-II-Studie (Finanzierung: Deutsche Krebshilfe).

In der Onkopedia-Leitlinie "Gliome im Erwachsenenalter" mit Stand vom März 2019 heißt es:

Die MRT kann nicht immer eindeutig zwischen residualem Tumorgewebe und posttherapeutischen Effekten nach Resektion, Strahlentherapie oder medikamentöser Therapie differenzieren. Eine Untersuchung des Tumormetabolismus mittels Aminosäuren-PET oder mit MR-Spectroskopie und die MR-Perfusion können zusätzliche, klinisch relevante Informationen liefern und z. B. mit einer “Hotspot”-Darstellung die diagnostische Biopsie leiten oder die Strahlentherapieplanung über eine Anpassung des Zielvolumens beeinflussen.

In der Leitlinie Hirntumoren der Interdisziplinären Projektgruppe Neuroonkologie der Medizinischen Universität Innsbruck und des Tiroler Arbeitskreis für Onkologie mit Stand von 2014 heißt es zum Nutzen der PET bei Hirntumoren:

"Unter den nuklearmedizinischen Verfahren hat die PET-Diagnostik unter Verwendung von 18-F markierter Fluorodeoxyglukose (FDG) als Tracer ihren Stellenwert im Rahmen des Tumorstaging, der Primärtumorsuche bei Verdacht auf Hirnmetastasen ohne bekannten Primärtumor und der Tumorsuche bei Vorliegen eines paraneoplastischen neurologischen Syndroms (Dhermain et al. 2010).
Für die Beurteilung primärer Hirntumoren spielt sie aufgrund des hohen Glukose-Metabolismus des ZNS nur mehr eine untergeordnete Rolle.
Das Aminosäure-PET mit Einsatz der Tracer 11-C Methionin oder 18-F-Fluoroethyltyrosin (FET) ist in ausgewählten Fragestellungen indiziert, wie etwa der Abgrenzung einer Tumorprogression gegenüber therapieinduzierten Veränderungen bei malignen Gliomen, der Biopsieplanung, der Strahlentherapieplanung (Götz und Grosu 2013, Hutterer et al. 2013) oder der Response-Beurteilung antiangiogener Therapien (Hutterer et al. 2011).
Die Liquorraumszintigraphie kann zur Beurteilung der Liquor-Flussdynamik zur Planung einer intrathekalen Therapie bei Menigeosis neoplastica hilfreich sein (Chamberlain et al. 1988)."

Die Leitlinie Gliome der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) mit Stand vom 1. März 2014 (gültig bis 31. Dezember 2017) enthielt folgende Formulierungen:

Die potenzielle Bedeutung von diffusionsgewichteter MRT, Perfusionsuntersuchungen, T2*-Sequenzen, multiparametrischen Ansätze in der MRT und Magnetresonanzspektroskopie (MRS) sowie anderer bildgebender Methoden wie single photon emission computed tomography (SPECT) und Positronenemissionstomographie (PET) für die klinische Routine ist Gegenstand aktueller Untersuchungen. Spezielle MR-Untersuchungen und Aminosäure-PET werden bei entsprechender Tumorlokalisation zunehmend zur Operations- und Biopsieplanung eingesetzt (La Fougere et al. 2011). Die Bildgebung, insbesondere die MRT, ist zudem für die Verlaufsbeurteilung während der Gliomtherapie von entscheidender Bedeutung (Macdonald et al. 1990, Wen et al. 2010).

Die Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft "NOA" hat im Oktober 2015 den Hinweis auf die internationalen Empfehlungen zur Durchführung von MRT-Bildhebungen in klinischen Studien bei Hirntumoren (Ellingson BM, Bendszus M, Boxermann J et al. Consensus recommendations for a standarized Brain Tumor Protocol in clinical trials. Neuro Oncol. 2015;17: 1188 - 1198.) in ihre NOA-Leitlinien-Liste aufgenommen.

Bei diesen Empfehlungen enthalten es sich um Protokolle für die Durchführung von PET-Untersuchungen. Aussagen zum Nutzen oder zu Indikationen für eine molekulare Bildgebung mittels PET oder auch zur Interpretation von leitliniengerecht gewonnenen MRT-Bildern sind in den "Consensus recommendations" nicht enthalten. Bezüglich der Interpretation wird auf die RANO-Kriterien1 verwiesen.

Eine aktualisierte Version der internationalen Empfehlungen zur Durchführung von MRT-Bildhebungen in klinischen Studien bei Hirntumoren (Ellingson BM, Wen PY, Cloughesy TF. Modified Criteria for Radiographic Response Assessment in Glioblastoma Clinical Trials. Neurotherapeutics. 2017 Apr;14(2):307-320. doi: 10.1007/s13311-016-0507-6.) hat die RANO-Kriterien aufgegriffen.

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2017 (Villanueva-Meyer JE, Mabray MC, Cha S. Current Clinical Brain Tumor Imaging. Neurosurgery. 2017 Sep 1;81(3):397-415. doi: 10.1093/neuros/nyx103.) widmet sich speziell der Frage, wie Pseudoprogression und Pseudoresponse mittels MRT zu diagnostizieren sind und kommt zu dem Schluss, dass derzeit keine Standardmethoden für die beste MRT-Technik in der Praxis existieren; dass aber die RANO-Kriterien den besten Beurteilungsrahmen zur Differenzierung dieser Phänomene darstellen.

Siehe auch

Sozialmedizin.Wiki: Glioblastom

Internetquellen:

ASCO Post 2017: Radiation Therapy for Glioblastoma: What Is New and What Is Missing in the ASCO-Endorsed ASTRO Guidelines
AG Neuroradiologie des Universitätsklinikums Heidelberg
Hirntumore - Empfehlungen zu Diagnostik, Therapie und Nachsorgeuntersuchungen in Tirol
"Der Nervenarzt - Auf dem Weg zu mehr Präzision in der Hirntumortherapie"
"Der Nervenarzt - Neuroradiologische Responsekriterien bei malignen Gliomen"
"Der Nervenarzt - Neue Kriterien zur Beurteilung des Therapieansprechens von Gliomen"
Stellungnahme der Deutschen Hirntumorhilfe zum Entwurf der IQWiG-Patienteninformation zu PET in der Rezidivdiagnostik bei Gliomen mit hohem Malignitätsgrad (III und IV)
IQWiG-Projektdokumente: D06-01D - Positronen-Emissions-Tomographie (PET) bei Gliom mit hohem Malignitätsgrad (III und IV)
Researchgate: Artikel vom April 2015 zur Hybridbildgebung in der Neuroradiologie
UKSH: PET in der Neurologie


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