Erstellt am 15 Sep 2015 22:46
Zuletzt geändert: 22 Jul 2022 13:55
Sozialrechtliche Anerkennung
Als spezifische, für die Demenz vom Alzheimer-Typ zugelassene Therapie stehen Antidementiva zur Verfügung, die bis auf eine Ausnahme nicht für andere Demenzformen zugelassen sind.
Der G-BA geht [im Abschlussbericht zum Beratungsverfahren nach § 137e SGB V über eine Richtlinie zur Erprobung Amyloid-Positronenemissionstomographie bei Demenz unklarer Ätiologie] davon aus, dass therapeutische Konsequenzen, die auf einem Nachweis oder Ausschluss von Amyloid-Plaques durch eine Amyloid-PET beruhen, in erster Linie Entscheidungen für oder gegen eine antidementive Therapie betreffen. Bei Ausschluss einer Alzheimer-Demenz auf Grundlage eines negativen Amyloid-PET-Befundes kann die Einnahme von Antidementiva und die damit verbundenen möglichen unerwünschten Wirkungen vermieden werden.
- Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE): ENABLE: Patienten- und versorgungsbezogener Nutzen der Amyloid-PET-Bildgebung
- G-BA Erprobungsstudien: ENABLE – Patienten- und versorgungsbezogener Nutzen der Amyloid-PET-Bildgebung
- G-BA Pressemeldung vom 02.02.22: Erprobung der Amyloid-PET bei Demenz: G-BA beauftragt Studienbegleitung
- Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: Erprobungs-Richtlinie: Amyloid-Positronenemissionstomographie bei Demenz unklarer Ätiologie Beschlussdatum: 06.02.2020.
- IQWiG Pressemeldung 15.06.2020: Amyloid-PET könnte Patienten mit Demenz unklarer Ursache helfen: Studie soll dies nun klären
- IQWiG Projektinformation: [E18-03 Amyloid-PET bei Demenz unklarer Ätiologie]
- IQWiG Projektinformation: [E18-05 Amyloid-PET bei Demenz unklarer Ätiologie (Addendum zum Auftrag E18-03)]
Empfehlungen deutscher oder deutschsprachiger Leitlinien
Folgende Leitlinien enthalten Empfehlungen zur Nutzung der PET bzw. PET-CT zur Demenzdiagnostik:
- Die S3-Leitlinie Demenzen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. mit Stand vom 24. Januar 2016 (und gültig bis 23.01.2021) enthält folgende Empfehlung (Nr. 24):
"FDG-PET und HMPAO-SPECT können bei Unsicherheit in der Differenzialdiagnostik von Demenzen (AD, FTD, VD) zur Klärung beitragen. Ein regelhafter Einsatz in der Diagnostik wird nicht empfohlen."
In der Empfehlung Nr. 26 zur Amyloid-PET heißt es:
"Die Darstellung des zerebralen Amyloids mittels PET kann in klinisch unklaren Fällen eines vorliegenden Demenzsyndroms zur Differenzialdiagnose bzw. ätiologischen Zuordnung erfolgen. Ein positiver Amyloid-Nachweis mittels PET muss im Gesamtkontext insbesondere unter Beachtung des klinischen Befundes und anderer Biomarker-Informationen interpretiert werden. Bei Demenz kann ein positiver Amyloid-PET-Befund auf eine zugrunde liegende Alzheimer-Krankheit hindeuten, während ein negativer Amyloid-PET-Befund gegen eine zugrunde liegende Alzheimer-Krankheit spricht."
Im Erläuterungstext zu dieser mit "Empfehlungsgrad 0" ausgesprochenen Empfehlung finden sich die Aussagen:
"Die Anwendung des Amyloid-PET bei Personen mit einer typischen Alzheimer-Demenz ist üblicherweise nicht erforderlich. Die Anwendung bei Personen ohne jegliche kognitive Störungen wird nicht empfohlen."
Konkrete Aussagen zum klinischen Nutzen einer PET für die betroffenen Patienten enthält diese Leitlinie nicht, obwohl es derzeit "…noch keine gesicherte Therapie zur Beeinflussung des Verlaufs neurodegenerativer Erkrankungen" gibt1
Die Leitlinie ist (wieder) über die Webseiten der AWMF erhältlich, seit die neue Version im Januar 2016 eingestellt wurde.
- Die - in der Gültigkeit am 1.10.2013 abgelaufene - Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) sah eine mögliche Bedeutung der PET in der Demenzdiagnostik "nur für sehr spezielle klinische Fragestellungen und die Forschung".
- Die Leitlinie der Qualitätsstufe "S1" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) mit dem Titel Vaskuläre Demenzen, ist über die Webseiten des AWMF-Leitlinienregisters verfügbar und besitzt eine angegebene Gültigkeit bis 14.11.2021. Diese Leitline enthält die Empfehlung:
"PET- und SPECT- Untersuchungen sollten diagnostisch sonst unklaren Fällen vorbehalten bleiben".
Empfehlungen in internationalen Leitlinien
Folgende internationale Leitlinien empfehlen einen Einsatz der PET bzw. PET-CT zur Demenzdiagnostik (unvollständige, selektionierte Auflistung):
- Das britische NICE empfahl im Jahr 2006(!) zur Differenzierung verschiedener Demenzformen in erster Linie den Einsatz einer Hexamethyl-Propylen-Amin-Oxim (HMPAO) Hirn-SPECT NICE guidelines CG42. Dementia: Supporting people with dementia and their carers in health and social care. Wenn eine entsprechende SPECT-Untersuchung nicht möglich ist, kann gemäß NICE-Empfehlungen aus dem Jahr 2006 auch eine FDG-PET zur Differentialdiagnose eingesetzt werden.
- Die US-amerikanische Neurologen-Gesellschaft (American Academy of Neurology ) gab weder eine negative noch eine positive Empfehlung für den Einsatz der PET bei Demenzen - allerdings wurde die Leitlinie zur Demenz-Diagnostik der AAN, (PDF) seit 2001 nicht mehr aktualisiert.
- Die US-amerikanische "pressure group" Alzheimer's Association bietet auf ihrer Webseite einen Fachartikel in der Rubrik "Leitlinien" bzw. "guidelines" an: Appropriate use criteria for amyloid PET imaging, PDF. In dem Fachartikel heißt es wörtlich:
"Although learning the cause of dementia and the limited efficacy of available treatments may cause stress and anxiety for some, we we believe that the value of knowing outweighs the disadvantages."
- Das US-amerikanische National Institute on Aging (NIA) hat im Jahr 2011 seine Diagnose-Leitlinien unter spezifischer Berücksichtigung moderner "Biomarker-Methoden", zu denen das NIA auch die PET zählt, überarbeitet. Das NIA kommt zu dem Ergebnis, dass Biomarker-Methoden wie die PET ganz überwiegend in wissenschaftlichem Interesse angewendet werden und sieht wenig Hinweise auf einen Patienten-Nutzen. In der Pressemitteilung des NIA vom 19.04.2011 heißt es:
"These tests will be used primarily by researchers, but may be applied in specialized clinical settings to supplement standard clinical tests to help determine possible causes of MCI symptoms."
HTA-Berichte, systematische Technologiebewertungen
Eine ausführliche und systematische Bewertung der Untersuchungsmethode der Positronen-Emissions-Tomographie im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses führte zum Ausschluss aller Anwendungen der PET von der vertragsärztlichen Versorgung durch den damaligen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen im Jahr 20022. Im Jahr 2003 erschien ein umfassender HTA-Bericht zum PET in deutscher Sprache, der keine guten Belege in den damals verfügbaren wissenschaftlichen Daten fand, welche eine Aufnahme der PET - unabhängig von der Indikation - in die nationale Gesundheitsversorgung nahe gelegt hätten3.
Ein Auftrag zur Methodenbewertung durch das IWQiG wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss zurückgezogen.
Kostenübernahme-Entscheidungen internationaler Gesundheitsversorger
Entscheidungen zum Einsatz der Methode in anderen Ländern bzw. durch Gesundheitsversorgungs-Institutionen im Ausland.
- Schweiz:
In der Schweiz wird von der obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) die Abklärung von Demenzerkrankungen mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) unter Einsatz von Fluordesoxyglucose (FDG) bei Patientinnen oder Patienten, die jünger als 80 Jahre alt sind und bei welchen die üblichen Untersuchungen zu keiner Diagnose geführt haben, von der OKP vergütet. Weitere Voraussetzung sind schwere, dauerhafte Symptome4.
Grundsätzliche Überlegungen zur Indikation der PET in der Demenzdiagnostik
- Fehlender Patienten-Nutzen?
- Zum möglichen / subjektiven Nutzen aus einer frühzeitigen Demenz-Diagnose findet sich eine eindrucksvolle Schilderung in dem Blog eine britischen Hausarztes: Listening and learning from people living with dementia
Siehe auch in diesem Wiki
Alle medizinischen Aussagen und Informationen in diesem Wiki dienen nicht der individuellen Beratung und können und sollen eine persönliche fachliche ärztliche oder sonstige Beratung nicht ersetzen! Auch erheben die hier gemachten Aussagen keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit. Dies ist keine Gesundheitsberatungsseite und auch keine Sozialberatungsseite!
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