Endovenöse Lasertherapie

Erstellt am 17 Sep 2015 22:37
Zuletzt geändert: 13 Aug 2019 14:14

Abstract

Bei der endovenösen Lasertherapie handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren zur Varizenbehandlung:

Beschreibung / Funktionsprinzip / Hintergrund

Zitat aus einem älteren Informationsdokument (NUB-Kurzinfo) der SEG 7 zur endovenösen Lasertherapie der Varikosis:

Am distalen Insuffizienzpunkt der Vene erfolgt deren Punktion und die Einführung eines Führungskathethers mit Führungsdraht über eine Schleuse. Alternativ erfolgt der Zugang über eine Venae sectio. Katheter und Führungssdraht werden ultraschallkontrolliert nach proximal vorgeschoben. Im Falle der Therapie der Vena saphena magna oder parva bis ca. 2 cm unterhalb der Einmündung in die V. femoralis, bzw V. poplitea. Nach Entfernen des Führungsdrahtes wird die Laserfaser über den Katheter wie beschrieben platziert. Im Falle der Therapie der Vena saphena magna oder parva soll sich die Laserfaserspitze ca. 2 cm unterhalb der Einmündung in die V. fenoralis, bzw V. poplitea befinden.
Der Venenverlauf wird in der Regel mittels Tumeszenzanaesthesie behandelt, bei Vollnarkose/ Epiduralanästhesie wird die zu behandelnde Vene mit Kochsalz umflutet. Dieses Vorgehen dient zur Schonung des umgebenden Gewebes vor thermischen Schäden.
Unter Zurückziehen des Katheters mit der Laserfaser erfolgen wiederholt Laserimpulse mit einer Energie von ca 25 Watt von ca 1 Sekunde Dauer alle 3-5 mm. Die applizierte Energie sollte nicht unter ca 80J/cm liegen.
Teilweise werden auch größere Seitenäste der V. saphena magna und parva auf die gleiche Weise therapiert.
An der Laserfaserspitze entstehen Temperaturen von etwa 1200°C. Hierdurch entstehen Dampfblasen, die zu thermischer Wandschädigung und konsekutiv zu einem thrombotischen Verschluß des Gefäßes führen.
Viele Systeme verfügen auch über ein Handstück für perkutane Therapie kleinerer Varizen (Besenreiser und retikuläre Varizen).

Kontraindikation

Eine relative Kontraindikation besteht bei Pat. mit Thrombophilie.
Mögliche Nebenwirkungen können sein: Beinvenenthrombose, Lungenembolie, Thrombophlebitis, Induration, Ekchymosen, Verbrennung, Nervenläsion, arterio-venöse Fistelbildung. Das Nebenwirkungsspekturum unterscheidet sich bis auf die Verbrennung nicht von dem der herkömmlichen Stripping-Operation.
Zum Einsatz kommen verschiedene Lasersysteme, v.a. Dioden-Laser und NdYag-Laser mit Wellenlängen zwischen 810-1064nm.
Die Kosten einer Behandlung (inclusive Materialkosten) betragen in etwa zwischen: 1000 und 1200 Euro.

Legalstatus

Für die endovenöse Lasertherapie von Varizen wurde in dem OPS 2008 eine Abrechnungsziffer aufgenommen.

Für den ambulanten Bereich können weder die endovenöse Lasertherapie noch die endovenöse Radiofrequenztherapie zu Lasten der GKV erbracht werden.

Alternativen

Strippingoperation oder Phlebektomie; Crossektomie mit anschließendem Stripping (Exhairese) als Methode der Wahl; Abrechnung über EBM 36201 - 36205.
Sklerosierung von Varizen; Abrechung über EBM 30501.

Sozialmedizinische Stellungnahme

Unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten könnte die endovenöse Lasertherapie im Hinblick auf die §§ 2, 12 und 70 SGB V als Alternative zu den verfügbaren Vertragsverfahren von der Kasse geprüft werden. Hierbei zu berücksichtigen sind insbesondere die zu erwartenden Arbeitsunfähigkeitszeiten, ein ggf. nach konventioneller Chirurgie vorhandener zusätzlicher Hilfebedarf sowie die sich möglicherweise im Einzelfall ergebende Notwendigkeit einer stationären Durchführung der konventionellen Operation. Krankenhausbehandlungsbedürftigkeit bei Anwendung der konventionellen Methode kann sich z.B. aus dem höheren Risiko von Nebenwirkungen bei vorhandenen Risikofaktoren (mehrfache Erysipele und Phlebitiden in der Vorgeschichte) ergeben. Eine entsprechende Einschätzung, ob die konventionelle Operation ggf. eine stationäre Durchführung erfordert, obliegt dem behandelnden Arzt.

Aus medizinischer Sicht ist anzumerken, dass die endovenöse Lasertherapie zum Beispiel in England von der renommierten Institution NICE bereits im Jahr 2004 zum Leistungsumfang des Nationalen Britischen Gesundheitsdienstes hinzugefügt wurde1, nachdem auf der Grundlage einer Evidenzbewertung ausreichende wissenschaftliche Hinweise für einen Nutzen der Methode in der Gesundheitsversorgung gesehen worden waren. Die Bewertungen des britischen NICE enthalten auch Hinweise darauf, dass in Einzelfällen Folgekomplikationen sowie die Notwendigkeit weiterer medizinischer Interventionen gegenüber dem konventionellen operativen Vorgehen verringert werden.

Weblinks:

Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (DGP): archivierte "Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Krampfaderleidens" mit Stand 2004
Deutsche Venenliga: Venenfacts Behandlungsmethoden

IGeL-Monitor: Laser-Behandlung von Krampfadern
Krankenkassen.de: Überblick Satzungsleistungen Laserbehandlung / Radiofrequenztherapie bei Krampfadern
Pharmazeutische Zeitung: Krampfadern - Möglichst frühzeitig behandeln
Venenratgeber: Therapie
Suche nach Leitlinien auf dem AWMF-Leitlinienportal

Siehe auch in diesem Wiki:


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