HBO

Erstellt am 03 Aug 2010 11:30
Zuletzt geändert: 13 Oct 2020 10:42

Funktionsprinzip der HBO-Therapie

Mit der Bezeichnung "Hyperbare Sauerstofftherapie", synonym auch "Hyperbare Oxygenation", abgekürzt "HBO" oder "HBOT" genannt, wird eine Überdruckbeatmung mit reinem Sauerstoff beschrieben. Über die Lunge wird das Blut mit Sauerstoff angereichert. Die Anwendung geschieht in speziellen Druckkammern, wobei unterschieden wird zwischen Einpersonen- und Mehrpersonen-Druckkammern für bis zu 10 Personen. In Deutschland haben sich begehbare Mehrpersonenkammern durchgesetzt, deren Kammeratmosphäre aus Luft besteht. In diesen Kammern atmen die Patienten den Sauerstoff über Masken oder Kopfzelte ein. Aufgrund des Überdruck in den Kammern können vorbestehende Lungenschäden eine Kontraindikation der Behandlung darstellen.

Eine einzelne HBO-Behandlung dauert zwischen 45 Minuten und 2 Stunden. In der Regel werden die Behandlungen in bestimmten Intervallen über einen Zeitraum von mehreren Wochen als Behandlungsserien verabreicht.

Durch die Kombination von 100% Sauerstoff bei gleichzeitiger Anwendung von Überdruck ist es möglich, Sauerstoffpartialdrücke (pO2; „Sauerstoffdosierungen“) im Blut und Geweben zu erreichen, die weder durch die alleinige Anwendung von reinem Sauerstoff noch durch alleinige Überdruckbehandlung erreichbar wären.
Die Sauerstoffbeladung roter Blutkörperchen wird durch die Behandlung allerdings nicht nennenswert gesteigert, da bei gesunden Menschen der Großteil des Sauerstoffes im Blut an Hämoglobin gebunden ist und die Sauerstoffsättigung im arteriellen Blut normalerweise um 97% beträgt.

Bei der HBO handelt es sich um eine sehr aufwendige und zeitintensive Behandlungsmethode.

Möglicher oder tatsächlicher Nutzen der Methode

Körperbereiche und Gewebe, bei denen eine eingeschränkten Sauerstoffspannung und somit eine schlechte Sauerstoff-Versorgung besteht, können theoretisch durch die hyperbaren Sauerstofftherapie besser - oder überhaupt ausreichend - mit Sauerstoff versorgt werden. Zwar führt eine hyperbare Sauerstofftherapie im gesunden Gewebe zur Vasokonstriktion; im ischämischen Gewebe wurde laut Literatur jedoch eine verbesserte Durchblutung beobachtet.

Die hyperbare Sauerstofftherapie soll auch die Angioneogenese fördern. Inwieweit dies zutrifft und welche Rolle diese Angioneogenese-fördernde Wirkung z. B. bei Neoplasien spielt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Theoretisch könnte dieser Mechanismus auch Tumorwachstum-fördernd wirken.

Der Einfluss der hyperbaren Sauerstofftherapie auf aerobe bakterielle Infektionen ist ebenfalls noch nicht abschließend geklärt; die Daten sind widersprüchlich; der Einfluss auf Anaerobier hingegen ist unumstritten.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat am 02.06.2016 seinen Abschlussbericht "N15-02 - Hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom" veröffentlicht. In diesem kommt das IQWiG zum Schluss, dass ausschließlich für den Endpunkt "Wundverschluss" ein Zusatznutzen der HBO gegenüber den Vergleichs-Interventionen belegt ist. Für andere patientenrelevante Endpunkte fand das IQWiG keine Anhaltspunkte für einen Zusatznutzen. Aus den einbezogenen Studien konnten keine Anhaltspunkte für häufige oder größere Schadwirkungen entnommen werden.

Risiken, Patientenbelastung

Folgende unerwünschte Wirkungen werden in der Literatur beschrieben:

  • Sehstörungen (Kurzsichtigkeit über Wochen bis Monate)
  • Vorübergehende Reizungen der Luftröhre und der Bronchien
  • Epileptische Anfälle
  • Trommelfell-Risse
  • Angstgefühle durch den Aufenthalt in der Kammer

Wiki-Beiträge zur HBO

Rechtliches

G-BA-Beschlüsse

Aus den Tragenden Gründen:
In seiner Sitzung am 5. Dezember 2013 beschied der G-BA das Potenzial einer erforderlichen Behandlungsalternative und ebenso die Planbarkeit einer diesbezüglichen Erprobungsstudie positiv. Auf Basis der eingereichten Antragsunterlagen ließ sich das Potenzial für die Hyperbare Sauerstofftherapie bei Hörsturz ableiten.
… konnte weder ein stellungnahmeberechtigtes Unternehmen ermittelt werden, noch war ein an der Kostentragung interessiertes Unternehmen zur Kostenübernahme im erforderlichen Umfang bereit.

Urteile

In diesem Urteil stellte das BSG fest, dass der G-BA "objektiv willkürlich" gehandelt habe, als er das Prüfverfahren der HBO im Jahr 2008 auf stationäre Leistungen beschränkte, ohne zugleich auch den möglichen Nutzen der Methode im ambulanten Bereich zu überprüfen.
Dies hatte zur Folge, dass die HBO als (weiterhin) stationär notwendige Leistungen definiert wurde, im ambulanten vertragsärztlichen Bereich aber dennoch weiter ausgeschlossen blieb. Das BSG konstatierte ein "Systemversagen bei objektiv willkürlicher Nichtempfehlung einer neuen Behandlungsmethode durch den Gemeinsamen Bundesausschuss" bei verzögerter Bearbeitung eines Antrags auf Empfehlung der Methode auch im ambulanten Bereich.

Weblinks


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