Fibroscan - "Elastographie der Leber"

Erstellt am 04 Aug 2010 10:50
Zuletzt geändert: 02 Aug 2021 17:01

Im aktuellen einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) ist die Methode "Elastographie der Leber" bzw. die FriboScan®-Technik nicht aufgeführt.

Bei einem Antrag auf Durchführung einer Fibroscan-Untersuchung ist von einem Antrag auf eine außervertragliche "NUB" in der ambulanten Versorgung auszugehen. Eine Anwendung der Elastographie kann daher ambulant z. Zt. nicht zu Lasten der GKV erfolgen.

Aus der wissenschaftlichen Datenlage lässt sich u. a. ableiten, dass die Ergebnisse des Fibro-Scan umso zuverlässiger sind, je fester die Leber und je fortgeschrittener je fortgeschrittener der Fibrosegrad bzw. die Schädigung des Organs bereits ist. Bei fortgeschrittener Erkrankung an Infektions-assoziierter Leberfibrose scheint die Methode eine Einschätzung des Erkrankungsstadiums vergleichbar der Leberbiopsie zu erlauben (Kirk 2009).

Die aktuelle wissenschaftliche Datenlage lässt insgesamt den Schluss zu, dass eine Anwendung der Elastographie - ggf. in Kombination mit Serumfibrosemarkern - bei Patienten mit Kontraindikationen für eine Leberpunktion (erhöhtes Blutungsrisiko, Thrombozytopenien i.w.S., Antikoagulation ) und bei klarer therapeutischer Fragestellung von klinischem Nutzen sein könnte. Diese Vermutung wird u. a. gestützt durch einen aktuellen Übersichtsartikel vom Februar 2010 (Prescrire Int).

In der Gesamtschau der klinischen Daten zum FriboScan® ergeben sich Hinweise auf praktische Vorteile der Elastographie mittels FriboScan®. Die Untersuchung kann ambulant durchgeführt werden, sie ist nicht invasiv, leicht wiederholbar und schmerzfrei. Die Aussagewertigkeit der Untersuchung ist dann besonders hoch, wenn sie als Ausschlussdiagnostik genutzt wird. Darüber hinaus erscheint sie im Ergebnis besser standardisierbar als die Goldstandardmethode der Leberbiopsie. Sie kann jedoch die Leberbiopsie nicht in jedem Falle ersetzen, sondern z. B. als vorgeschaltete Diagnostik eine bessere Einschätzung der Notwendigkeit der Leberbiopsie ermöglichen.
Darüber hinaus ist sie bei geringfügig oder nur mittelgradig aktiver Erkrankung weniger zuverlässig als die Leberbiopsie.

Es kommt häufiger zu Anträgen , wonach die Methode zur Verlaufskontrolle eingesetzt werden soll, um bei Verdacht auf zunehmende Fibrose bzw. Zirrhose das weitere therapeutische Vorgehen hinsichtlich der transplantierten Leber besser planen zu können. Dieses Rationale scheint medizinisch verständlich und sinnvoll.

Ob im Einzelfall eine lebensbedrohliche Situation vorliegt, die den Kriterien des Bundesverfassungsgerichts und des Bundessozialgerichts genügt, muss aus den mitgeteilten Diagnosen und Befunden abzuleiten sein, auch wenn es sich um eine grundsätzlich schwerwiegende Erkrankung mit potentieller Lebensbedrohlichkeit handelt.

Als Voraussetzung für einen grundrechtskonform erweiterten Leistungsanspruch fordert die Rechtsprechung neben einer lebensbedrohlichen notstandsähnlichen Situation im Weiteren, dass die vertragsärztlichen Methoden erschöpft sein müssen. Dies ist muss im Einzelfall erkennbar sein.

Grundsätzlich stehen alle laborchemischen Methoden zur Kontrolle der Leberfunktion sowie die Leberbiopsie für die Versorgung von Patienten sowohl mit Leberzirrhose als auch mit transplantierter Leber zur Verfügung.

Die Anwendung dieser vertragsärztlichen Methoden ohne die zusätzliche Anwendung der Elastographie könnte allerdings eine im Vergleich höhere Belastung und auch höhere, direkt untersuchungsabhängige Kosten nach sich ziehen. Andererseits wäre eine Biopsie möglicherweise auch trotz Anwendung der Elastographie notwendig, so dass die genannten Vorteile sich - wie bereits weiter oben dargelegt - letztlich auf die genauere Einschätzung hinsichtlich der Notwendigkeit einer Biopsie reduzieren.

Ob dieser Zusatz-Nutzen als hinreichend anzusehen ist, um in potentiell lebensbedrohlicher Erkrankungssituation eine außervertragliche Leistung zu rechtfertigen, wäre letztlich durch die Gerichte der Sozialgerichtsbarkeit zu klären.

Festzustellen ist, dass eine dem medizinischen Standard entsprechende Versorgung von Patienten sowohl mit Leberzirrhose als auch mit transplantierter Leber auch mit vertragsärztlichen Mitteln möglich ist (bzw. gewesen wäre, falls die Methode bereits angewendet wurde).

Aus rein medizinischer Sicht ist die Argumentation für die Anwendung der Methode nachvollziehbar, jedoch kann die Kostenübernahme aus sozialmedizinischen Gründen nicht empfohlen werden, wenn anhand der vorgelegten Informationen die Notwendigkeit einer grundrechtskonformen Auslegung des Leistungsanspruchs von Versicherten nicht erkennbar ist.

Siehe auch:


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