CT des Herzens

Erstellt am 18 Sep 2015 19:20
Zuletzt geändert: 09 Oct 2020 15:38

Abstract / Abgrenzung / Begriffsklärung

Laut Flexicon umfasst die kardiale Computertomographie bzw. Kardio-CT, alle Untersuchungen des Herzens, die mittels eines Computertomographen durchgeführt werden können.
Die Untersuchung ist sensitiv: Die Herz-CT ist tendenziell geeignet, eine KHK auszuschließen (Snout). Patienten mit unauffälligem Kardio-CT haben in 96 - 100 % der Fälle keine KHK.
Die Untersuchung ist nicht spezifisch: Nur 50 % der als bedeutsam klassifizierten Stenosen führen zu einer nachweisbaren
Durchblutungsstörung.

Neuere Geräte, z.B. die Dual-Source-Computertomographen (DSCT) oder "Flash-Cardio-CT", ermöglichen auch eine funktionelle Beurteilung des Herzens, ähnlich wie die Kardio-MRT. Die Wertigkeit im Vergleich zur Kardio-MRT ist unklar.

2010 argumentierten Flachskampf und Hagendorff im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl 2010; 107(34-35): A-1627 / B-1443 / C-1423.) gegen den Einsatz der Kardiomyopathie-CT in der Ischämiediagnostik, da nur etwa die Hälfte aller Patienten mit "kritischen" (> 50 Prozent Durchmesser) Stenosen in der CT einen positiven Ischämienachweis in der Perfusionsszintigraphie aufweisen.

In einer randomisierten Studie konnten durch Einsatz des Kardio-CT sechs von sieben Herzkatheter-Untersuchungen vermieden werden, ohne dass es in den ersten drei Jahren danach häufiger zu kardiovaskulären Erkrankungen kam. Die Ergebnisse wurden im Britischen Ärzteblatt BMJ (2016; 355: i5441) publiziert (Meldung im Deutschen Ärzteblatt vom 27.10.2016).

Synonyme: Computertomographie des Herzens, CT-Cor, Cor-CT, CCT, KCT, Herz-CT, kardiale CT, gezielte Tomographie des Herzens

Indikationen

Laut Dr. med. D. Enayat/Kardiologische Praxis Prof. Reifart & Partner Einsatz möglich bei ausgewählten Patienten mit

  • Brustschmerzen
  • mittlerer Wahrscheinlichkeit für KHK und
  • zweifelhaftem Befund der Ischämiediagnostik

Indikationen mit guter Evidenz (Klasse I) laut Dr. med. D. Enayat/Kardiologische Praxis Prof. Reifart & Partner:

  • Akuter Herzinfarkt
  • Beschwerden nach einem Herzinfarkt
  • Angina pectoris in Ruhe oder bei geringer Belastung ("drohender Herzinfarkt")
  • Angina pectoris oder Ischämie innerhalb von 9 Monaten nach Ballon-Dehnung/Stent
  • Hochrisikopatienten (z.B. langjährige Diabetiker)
  • Schwere Veränderungen im Belastungs-Test

Weitere Indikationen:

  • Darstellung von Aorta und/oder Pulmonalvenen (z.B. nach Ablation oder Stent-Implantation)
  • Darstellung der Koronarvenenmorphologie inkl. Beurteilung evtl. Engstellen
  • Kalk-Score (Agatston-Score; Gesamtlast der Kalkeinlagerung)
  • Perikarderkrankungen (Kalzifikation, konstriktive Perikarditis)
  • angeborene Herzerkrankungen

Indikationen laut "Kardiovaskulärem Manual" des Kantonsspitals St. Gallen, hrsg. Prof. Dr. Hans Rickli:

  • Bei einem selektionierten Patientengut
  • Präoperative Bildgebung der Koronarien vor valvulärer oder vitienkorrigierender Herzoperation
  • Verdacht auf Koronaranomalie

Kontraindikation (ungünstige Bedingungen / diagnostische Genauigkeit zu gering)

"Kardiovaskuläres Manual" des Kantonsspitals St. Gallen, hrsg. Prof. Dr. Hans Rickli:

  • Bei Hochrisikopatienten gemäß AGLA-Score und/oder mittlerer bis hoher Vortestwahrscheinlichkeit
  • Zur Verlaufsbeurteilung einer KHK
  • Bei bestehenden komplexen Herzrhythmusstörungen

Dr. med. D. Enayat/Kardiologische Praxis Prof. Reifart & Partner:

  • deutliches Übergewicht
  • Hohe Herzfrequenz (> 70-80/min)
  • Herzrhythmusstörungen (v.a. Vorhofflimmern)
  • bereits bekannte KHK
  • Starke Verkalkungen der Koronargefäße
  • nach Stentimplantation
  • nach Bypass-OP (meist fortgeschrittenes Stadium mit erheblichen Verkalkungen)
  • Patienten mit multiplen Risikofaktoren/Begleiterkrankungen (Diabetes, Rauchen, Niereninsuffizienz
Laut Dr. med. D. Enayat/Kardiologische Praxis Prof. Reifart & Partner bedeutet ein unkritischer Einsatz der CT-Angiographie:
  • hohe Kosten
  • unnötige Strahlenbelastung
  • mehr Herzkatheteruntersuchungen
  • Gefahr ! (zeitliche Verzögerung, falsche Sicherheit)

ACHTUNG: Die Notwendigkeit einer Koronarintervention (Stent oder Bypass-OP) kann mit der Kardio-CT nicht nachgewiesen werden!

Wirksamkeit, Evidenz

Vergleich Herzkatheter vs. Kardio-CT:

Herzkatheter Kardio-CT
Arterielle Punktion + keine
Strahlenbelastung 2 – 4 mSv 8 – 12 mSv
Kontrastmittel + ++
Liegedauer 1 – (4) Std. keine
Interventionsmöglichkeit ja nein
Schwere Komplikationen 7/10.000 ??
GKV-Leistung ja NUB

Ergebnis einer Pubmed-Recherche nach Kardio-CT1:

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Legalstatus

Die CT bzw. die Computertomographie ist im Kapitel 34.3 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) aufgeführt.
Die Darstellung des Thorax mittels Computertomographie ist spezifisch abzurechnen über die GOP 34330 "CT-Untersuchung des Thorax". Die GOP 34330 ist folgendermaßen definiert:

Obligater Leistungsinhalt
- Darstellung des Mediastinums,
- Darstellung der Lungen,
- Darstellung der Pleura
Fakultativer Leistungsinhalt
- Darstellung knöcherner Strukturen des Thorax

Die Darstellung des Herzens im CT ist in den Erläuterungen zur GOP 34330 nicht erwähnt. Abrechnungs-Experten im MDK-System wiesen darauf hin, dass für die Abrechnung eines Thorax-CT gemäß GOP 34330 der obligate Leistungsinhalt des EBM komplett zu erfüllen sei (Untersuchung des gesamten Mediastinums plus Lungen plus Pleura).

Eine CT-Darstellung des Herzens ist derzeit (August 2019) im EBM an keiner Stelle explizit als abrechenbare Leistung aufgeführt.

Es wird von verschiedenen Seiten davon ausgegangen, dass es sich bei der Kardio-CT um eine "Neue Methode" handelt, die im Regelfall keine Kassenleistung darstellt.

Die Techniker Krankenkasse hat Selektivverträge mit medizinischen Leistungserbringern in Berlin und Bochum geschlossen; bei denen TK-Versicherte diese Leistungen erhalten können:
Kardi­o-CT und Kardi­o-MRT für ein gesundes Herz.

Alternativen

Prinzipielle Alternativen: bei medizinischer Notwendigkeit CT oder MRT des Thorax; des Weiteren anerkannte und als Vertragsleistung zu erbringende kardiologische Untersuchungsmethoden; insbesondere die Myokardszintigraphie als zuverlässiges und schonendes Verfahren zur Beurteilung der Herzmuskeldurchblutung, evtl. die Stress-Echokardiographie sowie auch - wenn Indikation gegeben - die Herzkatheteruntersuchung.

Siehe auch in diesem Wiki:

Weblinks


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