Konservative Vortherapie der Bariatrischen Chirurgie

Erstellt am 01 Feb 2022 15:25
Zuletzt geändert: 11 Feb 2022 18:16

Systematische Literatur-Auswertungen (systematische Reviews; (chronologisch absteigend; neueste zuerst)

Systematische Übersicht.
Die bariatrische Chirurgie nimmt exponentiell zu, um dem steilen Anstieg der Prävalenz von schwerer Adipositas zu begegnen. Die meisten Zentren verlangen eine vorher festgelegte präoperative Gewichtsabnahme, bevor sie Patienten zur Operation zulassen. Wir untersuchten die aktuelle Evidenz zu den potenziellen Vorteilen dieser Vorschrift für die postoperativen Ergebnisse.
Wir überprüften die aktuelle Literatur, indem wir eine mehrstufige elektronische Suche in Ovid®/MEDLINE® und PubMed nach Veröffentlichungen durchführten, die nach 2008 indiziert wurden und über präoperativen Gewichtsverlust und postoperative Ergebnisse berichteten. Dreizehn Originalpublikationen, drei randomisierte Kontrollstudien (RCT) und fünf systematische Übersichten, die die Einschlusskriterien erfüllten, wurden berücksichtigt. Diese wurden im Hinblick auf die Gewichtsabnahme vor der Operation und die postoperativen Ergebnisse ausgewertet. Es gab unterschiedliche Berichte über den signifikanten Effekt einer präoperativen Gewichtsabnahme.
In sechs der Originalartikel (50 %) wurde kein signifikanter Unterschied bei den Ergebnissen festgestellt, während zwei der RCT (im Wesentlichen dieselbe Patientenpopulation, 2007 begonnen und 2009 neu analysiert) einen gewissen Vorteil zeigten. Eine spätere RCT (2012) zeigte keinen Vorteil, wenn auch auf kurze Sicht.
Die Ergebnisse der systematischen Übersichten, von denen einige ein heterogenes Design aufweisen, zeigen keine schlüssigen Beweise dafür, dass eine Gewichtsabnahme vor der Operation zu besseren postoperativen Ergebnissen führt.
Es gibt nicht genügend qualitativ hochwertige Belege, um die Forderung nach einer vorgegebenen präoperativen Gewichtsabnahme vor einem chirurgischen Eingriff zu unterstützen. Eine weitere Validierung des möglichen Nutzens einer vorgegebenen präoperativen Gewichtsabnahme erscheint möglicherweise erforderlich.

In dieser Übersichtsarbeit wird die verfügbare aktuelle Literatur im Zusammenhang mit früheren Erkenntnissen über die Auswirkungen von vorgeschriebenen präoperativen Gewichtsabnahmeprogrammen und obligatorischer Gewichtsabnahme auf die Ergebnisse bariatrischer Eingriffe untersucht. (Es wurden vier RCTs, drei systematische Übersichten und mehrere Fallserien analysiert.) Die untersuchten Studien lieferten im Ergebnis der Analysen keine ausreichenden Belege dafür, dass die obligatorische Teilnahme an einer präoperativen Gewichtsabnahme vor einer bariatrischen Operation mit einer erreichten Gewichtsabnahme oder einem dauerhaften Nutzen für das bariatrische Ergebnis verbunden ist. Eine erreichte präoperative Gewichtsabnahme kann sich positiv auf postoperative Komplikationen auswirken; dies ist jedoch kein konsistentes Ergebnis in der Literatur und bedarf weiterer Validierung. Die Praxis, die Teilnahme an einem präoperativen Gewichtsreduktionsprogramm oder eine obligatorische Gewichtsabnahme vor einer bariatrischen Operation vorzuschreiben, wird von der aktuellen Literatur nicht unterstützt und kann ein Hindernis für eine medizinisch notwendige und potenziell lebensrettende Behandlung darstellen.

(Springermedizin Volltext)
Schlussfolgerung:
Die Durchführung von verhaltenstherapeutischen Maßnahmen als Ergänzung zur BS scheint postoperativen Gewichtsverlust bei Menschen mit schwerer Adipositas zu verbessern. Menschen mit schwerer Fettleibigkeit. Die Evidenzbasis ist stärker für postoperative Interventionen stärker als für präoperative Interventionen präoperativ. Diese Schlussfolgerungen sollten jedoch mit Vorsicht zu interpretieren; die hier präsentierte Evidenz ist begrenzt durch die relativ geringe Anzahl identifizierter Studien und durch deren geringe methodische Qualität und kurze Nachbeobachtungszeit.
Review; Darstellung in:
Fink J, Seifert G, Blüher M, Fichtner-Feigl S, Marjanovic G. Surgery–Weight Loss, Metabolic Changes, Oncological Effects, and Follow-up. Dtsch Arztebl Int. 2022 Feb 4;(Forthcoming):arztebl.m2021.0359. doi: 10.3238/arztebl.m2021.0359. Epub ahead of print. PMID: 34819222. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34819222/):
Vor diesem Hintergrund hat die konservative Therapie für Menschen mit einem BMI ≥ 35 kg/m² und dem Wunsch nach Adipositaschirurgie eine Stellung als Baustein der interdisziplinären Vorbereitungsphase und postoperativen Nachsorge eingenommen. Hierbei muss der Beginn einer Basistherapie nicht zwangsläufig zu einem adipositaschirurgischen Eingriff führen.
Die Wirksamkeit dieser Strategie wurde in einer Metaanalyse unter Einbeziehung von Studien zu gezielter Intervention mittels Ernährungsberatung, Verhaltenstherapie und körperlicher Aktivität innerhalb von zwölf Monaten vor und nach Adipositaschirurgie verdeutlicht.
Zwölf Monate postoperativ wurde ein um 4,4 kg [1,69; 7,1] größerer Gewichtsverlust im Vergleich zu den Kontrollen mit Adipositaschirurgie ohne gezielte Intervention demonstriert (Stewart & Avenell 2016).

Review
Die Amerikanische Gesellschaft für Metabolische und Bariatrische Chirurgie (ASMBS) erkennt Adipositas als chronische Krankheit an, und eine Gewichtsabnahme in Vorbereitung auf eine Operation ist nach Einschätzung der ASMBS in den seltensten Fällen ausreichend, um Begleiterkrankungen zu behandeln. Zudem wird eine präoperativ erzielte Gewichtsabnahme in den allermeisten Fällen nicht dauerhaft sein. Daher sollte die Erfordernis einer präoperativen Gewichtsabnahme keine absolute Vorbedingung einer Operation sein.

Systematischer Review
Schlussfolgerung: Obwohl eine große Anzahl von Daten in der aktuellen Literatur über die Auswirkungen einer Gewichtsabnahme vor einer bariatrischen Operation bei vielen Ergebnisparametern uneinheitlich sind, deuten die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse hinsichtlich der Auswirkungen auf postoperative Komplikationen und die Gewichtsentwicklung im Laufe der Zeit stark darauf hin, dass ein solches Schema empfohlen werden sollte. Ob ein bestimmtes Maß an Gewichtsabnahme vor der Zulassung zu einer bariatrischen Operation obligatorisch sein sollte, ist jedoch nach wie vor umstritten.

Systematischer Review
Ergebnisse: In insgesamt 17 Studien mit etwa 4611 Patienten wurde eine präoperative Gewichtsabnahme als vorteilhaft eingestuft, während 10 Studien mit 2075 Patienten eine präoperative Gewichtsabnahme als nicht vorteilhaft einstuften. Die Operationszeit war bei den Patienten mit präoperativem Gewichtsverlust, die sich einem laparoskopischen Roux-en-Y-Magenbypass unterzogen, um 12,5 Minuten kürzer. Hinsichtlich der Auswirkungen der präoperativen Gewichtsabnahme auf die postoperative Gewichtsabnahme berichteten 9 Studien (39 %) über eine positive Korrelation und 15 (62,5 %) über keinen Nutzen. Neun Studien, die über perioperative Komplikationen berichteten (852 Patienten), zeigten keinen Unterschied in den Komplikationsraten, und 2 Studien (1234 Patienten) wiesen auf einen signifikanten Rückgang in Verbindung mit präoperativem Gewichtsverlust hin.
Schlussfolgerung: Das Ausmaß des präoperativen Gewichtsverlusts beeinflusste statistisch gesehen den postoperativen Gewichtsverlust. Eine präoperative Diät könnte geringe Vorteile bei der Verringerung des Risikos früher postoperativer Komplikationen haben.

RCTs (chronologisch absteigend; neueste zuerst)

  • García-Delgado Y, López-Madrazo-Hernández MJ, Alvarado-Martel D, Miranda-Calderín G, Ugarte-Lopetegui A, González-Medina RA, Hernández-Lázaro A, Zamora G, Pérez-Martín N, Sánchez-Hernández RM, Ibarra-González A, Bengoa-Dolón M, Mendoza-Vega CT, Appelvik-González SM, Caballero-Díaz Y, Hernández-Hernández JR, Wägner AM. Prehabilitation for Bariatric Surgery: A Randomized, Controlled Trial Protocol and Pilot Study. Nutrients. 2021 Aug 24;13(9):2903. doi: 10.3390/nu13092903. PMID: 34578781; PMCID: PMC8465022.
Protokoll einer geplanten randomisierten kontrollierten Studie mit gleichzeitigem Bericht über eine durchgeführte Pilotstudie. Die geplante Studie wurde bislang nicht realisiert:
NCT04046367 (Prehabilitation in Bariatric Surgery) - First Posted: August 6, 2019; Last Update Posted: August 6, 2019. Recruitment Status: Unknown. Verified August 2019 by Rosa María Sánchez Hernández, Hospital Universitario Insular Gran Canaria. Recruitment status was: Not yet recruiting.
Die Protokoll-Publikation enthält Daten zu einer Pilotstudie mit 15 randomisierten Patienten, von denen lediglich 5 Patienten der Interventionsgruppe am Ende ausgewertet werden konnten. Eine statistische Analyse war aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen nicht möglich. Die Adhärenz der Patienten war ausgesprochen niedrig; von den Autoren werden verschiedene Vorschläge für eine zukünftige Verbesserung gemacht.

Publikation zur randomisiert-kontrollierten Studie NCT01998243 (Usefulness and Safeness Of Intra-Gastric Balloon Before Bariatric Surgery In Morbid Obesity).
Von den Autoren wird folgendes Fazit gezogen: Der präoperative Ballon führt weder zu einer Verringerung der postoperativen Morbidität noch zu einer Verringerung des Krankenhausaufenthalts oder der Rate der Wiederholungsoperationen. Der Ballon erzielt im Vergleich zu einem Diätprogramm ein höheres Ergebnis bei der Gewichtsabnahme im Vorfeld der bariatrischen Operation; seine zusätzlichen Kosten scheinen hierddoch nicht unbedingt gerechtfertigt.

Van Nieuwenhove et al. 2011 berichteten über eine randomisierte kontrollierte Studie, in der eine Gruppe von Patienten mit Hilfe einer 800 kcal pro Tag umfassenden Flüssigmahlzeit-Diät einen präoperativen Gewichtsverlust erzielten, während die Kontrollgruppe keine Diät durchführte. Verglichen wurde der postoperative Gewichtsverlust 30 Tagen nach RYGB-Operation. Es zeigte sich kein Unterschied zwischen beiden Gruppen (4,9±3,6 kg). Die kurze Nachbeobachtungszeit schränkt die Aussagefähigkeit der Studie im Vergleich zu den Studien mit 12-monatiger Nachbeobachtung ein.

Im Jahr 2009 führten Solomon et al. eine erneute Analyse der RCT von Alami et al. 2007 bezüglich des 12 Monats-Zeitraums durch. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 44 Patienten in den beiden Gruppen mit sehr unterschiedlichen Gewichtsveränderungen. Es gab keinen nachweisbaren signifikanten statistischen Unterschied zwischen den Studienarmen in Bezug auf Gewicht, BMI und Übergewichtsverlust. Wurden die Teilnehmer jedoch willkürlich in zwei Gruppen eingeteilt, wobei ein präoperativer Mindestverlust an Übergewicht von 5 % als Maßstab diente, so hatten diejenigen, die dieses Ziel erreichten (n=19), einen statistisch signifikant niedrigeren BMI und einen höheren Prozentsatz an Übergewicht ein Jahr nach der Operation. Diese Auswertung wurde dahingehend interpretiert, dass eine präoperative Gewichtsabnahme gefördert werden sollte, da sie die langfristige Gewichtsabnahme verbessern würde.

Alami et al. 2007 untersuchten 100 Patienten, die sich einem laparoskopischen Magenbypass Bypass unterzogen. Präoperativ war bei einer Gruppe auf konservativem Wege ein Gewichtsverlust (10 %) erzielt worden; bei der Vergleichsgruppe wurde die Operation ohne vorherigen konservativen erzielten Gewichtsverlust durchgeführt. Der durchschnittliche anfängliche BMI der Gruppe mit vorherigem Gewichtsverlust (WL) (n=26) lag bei 48,7 kg/m², während der BMI der Gruppe ohne Gewichtsverlust (NWL) bei 49,3 kg/m² lag. Nach drei Monaten zeigten die Ergebnisse einen signifikanten Gewichtsunterschied zugunsten der Gruppe mit vorherigem Gewichtsverlust (44,1% vs. 33,1%, p<0.026). Dieser signifikante Unterschied bestand jedoch nach sechs Monaten postoperativ nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt lag der festgestellte Gewichtsverlust in den Gruppen bei jeweils 53,9 % und 50,9 %; p war nicht signifikant.

Weitere Studien zur Effektivität präoperativer konservativer Maßnahmen (chronologisch absteigend; neueste zuerst)

Retrospektive Auswertung der Krankenakten von Patienten, die sich zwischen Januar 2003 und November 2017 in einer einzigen Einrichtung einer primären Sleeve-Gastrektomie oder einem primären Roux-en-Y-Magenbypass zur Gewichtsreduktion unterzogen haben. Zusätzliches Follow-up wurde durch einen postoperativen standardisierten Patientenfragebogen erhoben. Die statistische Analyse bestand aus einer bivariaten und multivariaten logistischen Regressionsanalyse.
Ergebnisse: An unserer Studie nahmen 427 Patienten teil. Die meisten waren weiblich (n = 313, 73,3 %) und unterzogen sich einer Sleeve-Gastrektomie (n = 261, 61,1 %). Das Durchschnittsalter lag bei 45,6 Jahren, und die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 6,3 Jahre. Ein größerer präoperativer Gewichtsverlust war bei den Patienten, die sich einer Sleeve-Gastrektomie unterzogen, mit einer kürzeren Verweildauer verbunden (1,8 gegenüber 1,3 Tagen). Eine multivariable Regressionsanalyse ergab, dass der präoperative Gewichtsverlust nicht mit dem postoperativen Gewichtsverlust verbunden war.
Schlussfolgerungen: Die präoperative Gewichtsabnahme ist nicht prädiktiv für den Erfolg der postoperativen Gewichtsabnahme nach bariatrischen Eingriffen. Eine größere präoperative Gewichtsabnahme war mit einer leicht verringerten Aufenthaltsdauer verbunden, aber nicht mit einer Verringerung der Operationszeit, der Gesamtkomplikationsraten, der Einweisungen in die Intensivstation oder der intraoperativen Komplikationen. Die nicht eindeutige Literatur und unsere Ergebnisse sprechen nicht für die medizinische Notwendigkeit einer Gewichtsabnahme vor einer bariatrischen Operation, um chirurgische Komplikationen zu reduzieren oder einen erfolgreichen postoperativen Gewichtsverlust vorherzusagen.

  • Mocanu V, Marcil G, Dang JT, Birch DW, Switzer NJ, Karmali S. [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34330621/ Preoperative weight loss is linked to improved mortality and leaks following elective bariatric surgery: an analysis of 548,597 patients from 2015-2018. Surg Obes Relat Dis. 2021 Nov;17(11):1846-1853. doi: 10.1016/j.soard.2021.06.021. Epub 2021 Jul 7. PMID: 34330621.
Retrospektive Register-Auswertung; es fanden sich mögliche Hinweise auf eien geringe Verbesserung bei der 30-Tage Mortalität und in Bezug auf Naht-Undichtigkeiten; aber keine Hinweise auf Unterschiede in Bezug auf Blutungskomplikationen oder andere schwerwiegende Komplikationen.
* Benotti PN, Petrick AT, Still CD. Comment on: Preoperative weight loss: a value-added opportunity? Surg Obes Relat Dis. 2021 Nov;17(11):1853-1854. doi: 10.1016/j.soard.2021.07.016. Epub 2021 Jul 31. PMID: 34426100.

In vielen Gesundheitssystemen wird von den Patienten verlangt, dass sie vor einer bariatrischen Operation an einem strukturierten Programm zur Änderung des Lebensstils teilnehmen, auch wenn dies in den Konsensleitlinien für bariatrische Operationen nicht empfohlen wird.
Während es gute Belege dafür gibt, dass solche Programme die Gesundheit bei anderen Erkrankungen wie Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbessern, gibt es keine Belege dafür, dass sie die Ergebnisse nach bariatrischen Eingriffen verbessern.
Es muss unterschieden werden zwischen der allgemein anerkannten Notwendigkeit einer individuellen, multidisziplinären Betreuung von Patienten mit bariatrischen Eingriffen in den Bereichen Ernährung und körperliche Betätigung und den potenziellen Nachteilen, die sich aus der obligatorischen Teilnahme an strukturierten Lebensstilprogrammen mit festgelegter Dauer, Häufigkeit und Intensität ergeben, die die Operation verzögern, das Stigma der Fettleibigkeit verstärken oder beides. Große klinische Studien könnten dazu beitragen, einen Teil der Ungewissheit zu beseitigen und eine Evidenzbasis für Kliniker und politische Entscheidungsträger zu schaffen.

Methoden: Es wurde eine retrospektive Überprüfung aller Sleeve-Gastrektomien durchgeführt, die zwischen 2012 und 2016 in unserer Einrichtung durchgeführt wurden. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: diejenigen, die ein präoperatives MWM-Programm benötigten, und diejenigen, die dies nicht taten. Ein 1:1-Matching-Algorithmus nach der Greedy-Nearest-Neighbor-Methode wurde verwendet, um die Patienten anhand von Alter, BMI, Rauchen, Geschlecht, Rasse, Schlafapnoe und Diabetes zuzuordnen. Der Gesamtgewichtsverlust und der prozentuale Übergewichtsverlust nach 1 Jahr wurden für jede Gruppe verglichen.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 3059 Patienten mit Sleeve-Gastrektomie untersucht. Von diesen hatten 941 Patienten ausreichende Datenpunkte, um ausgewertet zu werden. Der Matching-Algorithmus ergab 530 Patienten für die endgültige Analyse, 265 Patienten in jeder Gruppe. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf Alter, BMI, Rauchen, Geschlecht, Rasse, Schlafapnoe oder Diabetes. Ein gepaarter t-Test ergab nach einem Jahr keine signifikanten Unterschiede zwischen der MWM-Gruppe und der Kontrollgruppe, weder beim Gesamtgewichtsverlust (36,7 kg vs. 36,2 kg) noch beim prozentualen Übergewichtsverlust (56,5% vs. 55,8%, p = 0,24).
Schlussfolgerung: Es gab keinen signifikanten Unterschied in den Ergebnissen der Gewichtsabnahme nach 1 Jahr bei Patienten, die von der Versicherung zur Teilnahme an MWM-Programmen verpflichtet wurden, im Vergleich zu denen, die nicht daran teilnahmen. Die Notwendigkeit dieser Programme sollte hinterfragt werden.

Methoden: Ein entscheidungsanalytisches Modell für eine Kohorte von 100 Patienten in Kanada (91 % Frauen, mittlerer Body-Mass-Index 49,2 kg/m2, 50 % Diabetes, 66 % Hypertonie, 59 % Dyslipidämie). Die Kosten umfassen den chirurgischen Eingriff, chirurgische Komplikationen und Komorbiditäten über einen Zeitraum von 10 Jahren nach der Überweisung. Die Ergebnisse werden als Mediane und 95%ige Glaubwürdigkeitsintervalle (CrI) für einen Pfad mit einer Operation nach 1 Jahr ("verbessert") im Vergleich zu einer Operation nach 3,5 Jahren ("Standard") berechnet.
Es wurden Sensitivitätsanalysen durchgeführt, um zu prüfen, ob die kürzere Wartezeit, der bessere Gewichtsverlust nach der Operation und die demografischen Merkmale der Kohorte, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden, unabhängig voneinander zu den Ergebnissen beitragen.
Ergebnisse: Im Vergleich zur Standardbehandlung war der verbesserte Pfad mit einer Verringerung der Patientenjahre für jede der drei Komorbiditäten verbunden, was einer Verringerung von 1,1 (0,68-1,6) Millionen Dollar oder 34 % (26-41 %) der Gesamtkosten entspricht. Die Kosten für die Behandlung von Komorbiditäten waren 9,0- bzw. 4,7-mal höher als die chirurgischen Kosten für den Standard- bzw. den verbesserten Behandlungspfad. Im Vergleich zur nicht-chirurgischen bariatrischen Versorgung war eine frühere Operation mit einer früheren Amortisation der chirurgischen Investition und einer 2-fachen Verringerung des Risikos der Prävalenz jeder Komorbidität im Vergleich zu einer verzögerten Operation verbunden.
Schlussfolgerungen: Die Kosten für Komorbiditäten stellen für die Kostenträger eine größere Belastung dar als die Kosten für die Magenbypass-Operation. Investitionen können sich lohnen, um Wartezeiten und Abbruchquoten zu verringern und die Ergebnisse nach der Operation zu verbessern, um die Gesamtkosten zu senken und die Prävalenz von Komorbiditäten bei den Patienten zu reduzieren.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 776 Patienten, 81,4 % LRYGB, in die Studie aufgenommen (Alter 45,1 ± 11,9). Sowohl bei LRNY- als auch bei LSG-Patienten gab es 4 Jahre postoperativ keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen in Bezug auf BMI, DM-II, HDL, HTN, LOS oder Re-Interventionen. Dieser fehlende Unterschied blieb auch bestehen, wenn Patienten mit ähnlichem BMI (43-45 vs. 45,01-47) verglichen wurden.
Schlussfolgerung: Die WLG-Gruppe wies 4 Jahre nach der Operation weder eine geringere perioperative Morbidität noch einen besseren Gewichtsverlust noch eine Verringerung der Komorbiditäten im Vergleich auf. Auch wenn diese Ergebnisse durch multizentrische Studien bestätigt werden sollten, stellen sie den Wert einer obligatorischen WLG vor einer bariatrischen Operation in Frage, da sie unwirksam zu sein scheint und den Zugang der Patienten zur Operation einschränken könnte.

Methoden: Retrospektive Kohortenstudie mit Erwachsenen, die sich einem Roux-en-Y-Magenbypass oder einer Sleeve-Gastrektomie unterzogen haben, die im Metabolic and Bariatric Surgery Accreditation and Quality Improvement Program Participant Use File der Jahre 2015-2017 erfasst wurden. Der Zusammenhang zwischen präoperativem Gewichtsverlust und 30-Tage-Rückübernahme, Reoperation, Sterblichkeit, Behandlung und Morbidität wurde mittels multivariabler logistischer Regression bewertet.
Ergebnisse: Präoperativer Gewichtsverlust, Body-Mass-Index-Verlust und prozentualer Gewichtsverlust waren nicht mit der postoperativen 30-Tage-Gesamtwiederaufnahme, Reoperation, Sterblichkeit oder Behandlung verbunden (p > 0,01). Der präoperative prozentuale Gewichtsverlust war mit einer erhöhten Inzidenz von oberflächlichen Infektionen der Operationsstelle (OR = 1,023, 95% CI 1,009-1,036; p = 0,001) und Harnwegsinfektionen (OR = 1,044, 95% CI 1,030-1,059; p < 0,001) verbunden.
Schlussfolgerung: Eine Gewichtsabnahme vor einer metabolischen und bariatrischen Operation ist möglicherweise nicht für alle Patienten notwendig und möglicherweise auch nicht für alle Patienten sicher. Eine unsichere Gewichtsabnahme vor der Operation kann den Ernährungszustand beeinträchtigen und zu einer erhöhten Infektionsrate führen.

Methoden: Es wurde eine retrospektive Analyse der Krankenakte durchgeführt, um die präoperativen sowie die 6- und 12-monatigen postoperativen Ergebnisse von Patienten, die vor der Operation an einem WMP teilnahmen (n = 56), mit denen zu vergleichen, die dies nicht taten (n = 441), und zwar innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren (N = 497). Es wurden deskriptive Statistiken und unabhängige t-Tests durchgeführt, um die Mittelwertunterschiede zwischen den Gruppen zu ermitteln, wobei für die Art des Eingriffs, für die Ergebnisse zum Gewichtsstatus (%EWL, Veränderung des Body-Mass-Index) präoperativ und 6 und 12 Monate nach der Operation sowie für die Aufenthaltsdauer und die Rückübernahmequote kontrolliert wurde.
Ergebnisse: Patienten, die am präoperativen WMP teilnahmen, hatten 12 Monate nach der Operation einen signifikant höheren %EWL als Patienten, die nicht am WMP teilnahmen. Weitere Ergebnisse wiesen auf einen positiven, aber nicht signifikanten Effekt des WMP auf den Body-Mass-Index vor der Operation sowie auf den %EWL nach der Operation nach 6 Monaten und die Veränderung des Body-Mass-Index nach 6 und 12 Monaten nach der Operation hin.
Schlussfolgerungen: Patienten, die am WMP teilnahmen, hatten nach 12 Monaten einen besseren %EWL und bessere Ergebnisse als diejenigen, die nicht am WMP teilnahmen, obwohl dies für die 6-Monats-Ergebnisse nicht zutraf und je nach Art der Operation unterschiedlich war.

Methoden: In diese Studie wurden 247 Patienten aufgenommen, die sich nach präoperativem Gewichtsmanagement einer LSG unterzogen. Sie wurden nach ihren präoperativen Gewichtsveränderungen klassifiziert (Gruppe 1, Gewichtszunahme; Gruppe 2, 0-3,0 % Gesamtgewichtsverlust (TWL); Gruppe 3, 3,1-5,0 % TWL; Gruppe 4, >5,1 % TWL) und auf frühe postoperative Komplikationen und Gewichtsverlust nach einem Jahr untersucht.
Ergebnisse: In Gruppe 1 befanden sich 37 Patienten, 79 in Gruppe 2, 64 in Gruppe 3 und 67 in Gruppe 4. Es gab keine statistischen Unterschiede im anfänglichen Gesundheitszustand zwischen den 4 Gruppen. Der mediane BMI sank in der gesamten Gruppe auf 27,6 kg/m². Obwohl der durchschnittliche %TWL während des kombinierten präoperativen und postoperativen Zeitraums keine statistischen Unterschiede aufwies (P = 0,69), sank der durchschnittliche %TWL während des postoperativen Zeitraums allmählich mit zunehmendem Ausmaß des präoperativen Gewichtsverlusts (P = 0,01). Die frühe postoperative Komplikationsrate für die gesamte Gruppe betrug 6,9 %; sie war tendenziell niedriger, je größer der präoperative Gewichtsverlust war. Ein multiples logistisches Regressionsmodell zeigte jedoch, dass die präoperative Diät kein statistischer Prädiktor für geringere frühe postoperative Komplikationen war (P = 0,28).

Die bariatrische Chirurgie ist die wirksamste Behandlung für extreme Fettleibigkeit. Die Auswirkungen präoperativer medizinischer Gewichtsmanagement-Therapie, die theoretisch mit dem primären Ziel der Förderung der präoperativen Gewichtsabnahme konzipiert wurden, sind unklar. In diesem Beitrag werden Studien vorgestellt, die den Zusammenhang zwischen präoperativem Gewichtsverlust und den Ergebnissen der bariatrischen Chirurgie untersucht haben, und zwar sowohl im Hinblick auf den postoperativen Gewichtsverlust als auch auf Komplikationen. Wir kommen zu dem Schluss, dass die robusteste aller präoperativen Behandlungen nicht in einer Art und Weise umgesetzt oder ausgewertet wurde, die eine abschließende Beurteilung des Werts dieses Versorgungselements ermöglichen würde. Wir überdenken die Rolle des präoperativen medizinischen Gewichtsmanagements und geben Empfehlungen für die künftige Forschung in diesem Bereich.

Methoden: Es wurde eine retrospektive Überprüfung aller zwischen 2009 und 2013 durchgeführten bariatrischen Operationen durchgeführt. Die Patienten wurden nach Kostenträgern stratifiziert, je nachdem, ob die Versicherungsgesellschaft eine MWM verlangte. Um die Unterschiede zwischen den Gruppen zu kontrollieren, wurde ein Bucket-Matching-Algorithmus verwendet, um die Patienten nach Geschlecht, Alter, Body-Mass-Index (BMI) und Operationsart (Sleeve-Gastrektomie, Magenbypass oder Magenband) zuzuordnen. Es wurde ein Regressionsmodell mit wiederholten Messungen erstellt, um den prozentualen Übergewichtsverlust, den prozentualen Verlust des BMI-Übergewichts und den prozentualen Gesamtgewichtsverlust zu schätzen.
Schlussfolgerung: Bei den Patienten, die ein von der Versicherung vorgeschriebenes MWM-Programm in Anspruch nahmen, gab es bis zu 2 Jahren keinen Unterschied bei den Ergebnissen der Gewichtsabnahme. Längerfristige Studien sind erforderlich, um den Nutzen dieser Versicherungspflicht zu bestimmen.

Leitlinien

Versorgungsforschung

Siehe auch in diesem Wiki

Textbaustein Adipositas-Fragebogen
Textbaustein Adipositaschirurgie
Textbaustein Sozialmedizinische Voraussetzungen Adipositaschirurgie
Textbaustein Primäre Adipositaschirurgie
Textbaustein Adipositaschirurgie - Kontraindikationen


Alle medizinischen Aussagen und Informationen in diesem Wiki dienen nicht der individuellen Beratung und können und sollen eine persönliche fachliche ärztliche oder sonstige Beratung nicht ersetzen! Auch erheben die hier gemachten Aussagen keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit. Dies ist keine Gesundheitsberatungsseite und auch keine Sozialberatungsseite!



Neue Seite anlegen

Unless otherwise stated, the content of this page is licensed under Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License