Trigeminusneuralgie

Erstellt am 06 Apr 2018 23:09
Zuletzt geändert: 28 Mar 2022 17:14

Analgetika wie die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) sind in aller Regel nicht wirksam. Die Pharmakotherapie ist insgesamt schwierig und orientiert sich nicht an der Behandlung von akuten Schmerzen. Bevorzugt werden trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Nortriptylin oder Amitriptylinoxid) eingesetzt. Um eine gute Akzeptanz beim Patienten zu erzielen, muss umfassend aufgeklärt und möglichst langsam ein- und gegebenenfalls aufdosiert werden. In einer Verlaufsuntersuchung zur niedrig dosierten Amitriptylintherapie über ein Jahr zeigten 75 % der Patienten eine signifikante Schmerzlinderung nach einem Monat und 93 % nach einem Jahr [11]. Es empfiehlt sich, den Patienten gerade in der Aufdosierungsphase engmaschig zu betreuen und zumindest telefonisch Rücksprache zu halten. Für dual auf Serotonin und Noradrenalin wirkende Antidepressiva (Venlafaxin, Duloxetin) steht der Wirksamkeitsnachweis aus Studien noch aus, sie können wie Mirtazapin im Einzelfall aber gerade unter Berücksichtigung der psychischen Komorbidität (Depressionen, Angststörungen [8]) sehr hilfreich sein.
8. Nilges P, Rief W: F45.41 Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Schmerz 2010; 24: 209–212.
11. Guler N, Durmus E, Tuncer S: Long-term follow-up of patients with atypical facial pain treated with amitriptyline. N Y State Dent J 2005; 71: 38–42.

In einem Cochrane Review wurden 61 randomisierte kontrollierte Studien (RCT) mit insgesamt 3 293 Teilnehmern zur Wirkung von Antidepressiva bei neuropathischen Schmerzen analysiert (1).
Als neuropathischer Schmerz gelten diabetische Neuropathie, postherpetische Neuropathie, Trigeminusneuralgie, atypischer Gesichtsschmerz, postoperative und posttraumatische neuropathische Schmerzen sowie zentraler Schmerz (s.a. 2). In den Cochrane Review wurden auch Patienten mit chronischen Kopfschmerzen einbezogen, jedoch keine mit Migräne.
1. Saarto, T., und Wiffen, P.J.: Cochrane Library
2. AMB 2001, 35, 89 Link zur Quelle und AMB 2002, 36, 47b.

Radikulär kann Herpes zoster eine postherpetische Neuralgie (PHN) hervorrufen. An den Hirnnerven ist die Trigeminusneuralgie ein Prototyp neuropathischer Schmerzen…
Neuropathische Schmerzen sprechen nur in sehr geringem Maße auf Standardanalgetika wie Paracetamol oder nicht steroidale Antiphlogistika an. Die gebräuchlichen wirksamen Substanzen sind Noradrenalin/Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Natrium- oder Kalziumblocker und Opioide. Daneben stehen einige Substanzen zur lokalen Applikation zur Verfügung (11).
Die Wirksamkeit der trizyklischen Antidepressiva (TCA) bei neuropathischen Schmerzen wurde in zahlreichen kontrollierten randomisierten doppelblinden Studien belegt (12).
11. Baron R, et al., Therapie neuropathischer Schmerzen. In: H.C. Diener, N. Putzki, P. Berlit (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. 4. Auflage, Thieme, Stuttgart 2008.
12. Saarto, T., Wiffen, P. J., Antidepressants for neuropathic pain. Cochrane Database Syst. Rev. CD005454 (2007).


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* Zitat nach: Bach, Otto: ''Über die Subjektabhängigkeit des Bildes von der Wirklichkeit im psychiatrischen Diagnostizieren und Therapieren''. In: Psychiatrie heute, Aspekte und Perspektiven, Festschrift für Rainer Tölle, Urban & Schwarzenberg, München 1994, ISBN 3-541-17181-2, (Zitat: Seite 1)

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