Covid 19: Impfschäden, Post-Covid-Vakzine-Syndrom

Erstellt am 21 Jun 2022 09:27
Zuletzt geändert: 21 Jun 2022 15:04

Pathophysiologie möglicher Autoimmunreaktionen nach SARS-CoV-2-Impfung

Frühere Studien haben gezeigt, dass eine SARS-CoV-2-Infektion Autoimmunität auslösen kann, aber der Zusammenhang zwischen dem COVID-19-Impfstoff und Autoimmunphänomenen bleibt nebulös.

Das Atmungssystem war das erste von SARS-CoV-2 befallene Organ, das möglicherweise an den Kreuzreaktionen zwischen der Immunantwort nach einer SARS-CoV-2-Infektion und den Lungensurfactant-Proteinen beteiligt ist, da das SARS-CoV-2-Spike-Glykoprotein und die Lungensurfactant-Proteine 13 von 24 Pentapeptiden gemeinsam haben.
Darüber hinaus könnte die Kreuzreaktion zwischen SARS-CoV-2-Proteinen und einer Vielzahl von Gewebeantigenen zu einer Autoimmunität gegen Bindegewebe und das kardiovaskuläre, gastrointestinale und Nervensystem führen.
Infektionen können generell als Auslöser für Autoimmunerkrankungen wirken; mikrobielle Antigene können kreuzreaktive Immunantworten gegen Selbstantigene hervorrufen:
Die Kreuzreaktivität des Immunsystems, die durch eine Ähnlichkeit zwischen erregerspezifischen Proteinen und körpereigenen Proteinen ausgelöst wird, kann mitunter dazu führen, dass eine Immunreaktion gegen pathogene Antigene ähnliche Proteine bei hierfür besonders anfälligen Personen angreift und zu Autoimmunerkrankungen führt, ein Prozess, der als molekulare Mimikry bekannt ist.

Impfstoffe gegen Influenza, Hepatitis B und humane Papillomaviren stehen im Verdacht, ebenfalls gelegentlich durch molekulare Mimikry Autoimmunität auszulösen. Allerdings entwickelt immer nur eine sehr kleine Minderheit der geimpften Personen später Autoimmunphänomene, was auf eine - vermutlich auch Erreger- bzw. Protein-spezifische - genetische Prädisposition für eine erreger- bzw. impfstoff-induzierte Autoimmunität hinweist.
(Segal Y, Shoenfeld Y. Vaccine-induced autoimmunity: the role of molecular mimicry and immune crossreaction. Cell Mol Immunol. 2018;15:586–94.; Vojdani A, Kharrazian D. Potential antigenic cross-reactivity between SARS-CoV-2 and human tissue with a possible link to an increase in autoimmune diseases. Clin Immunol. 2020;217:108480.)

Analog zu dem - seltenen - Autoimmunphänomenen als Folge von Kreuzreaktivität durch erregerspezifische molekulare Mimikry können auch Impfstoffbestandteile eine fehlgeleitete Immunreaktion auslösen; quasi eine imfstoffspezifische molekulare Mimikry.
Eine Gefährdung für das Auftreten solcher Phänomene dürfte bei den gleichen Patienten vorliegen, die eine genetisch bedingte, erhöhte Suszeptibilität für infektionsbedingte (erkrankungsbedingte) Autoimmunreaktionen aufweisen.

Neben dem Phänomen der molekularen Mimikry können Infektionen wie Impfstoffe im Rahmen der erwünschten Aktivierung der adaptiven Immunreaktion einen hyperinflammatorischen Zustand hervorrufen.

Gesunde Personen zeigen nach einer Impfung gegen SARS-CoV-2 einen akuten Anstieg der Typ-I-IFN-Expression, des oxidativen Stresses und der Akkumulation von DNA-Schäden in mononukleären Blutzellen, verbunden mit einer wirksamen Produktion von Anti-SARS-CoV-2-neutralisierenden Antikörpern.
Es wird vermutet, dass die allgemeinen und häufigen Nebenwirkungen der COVID-19-Impfstoffe einfach ein Nebenprodukt einer vorübergehenden IFN-I-Bildung sind, die mit der Induktion einer wirksamen Immunantwort einhergeht.
(Sprent J, King C. COVID-19 vaccine side effects: the positives about feeling bad. Sci Immunol. 2021;6:eabj9256.)

Es wurde aber auch vermutet, dass die, mit Entzündungsreaktionen verbundenen Impfnebenwirkungen im Zusammenhang mit der Produktion von Autoantikörpern, also einer sich möglicherweise entwickelnden Autoimmunreaktion, stehen könnten. Tatsächlich wurden auch Hinweise darauf gefunden, dass seltene, gefährliche Impfkomplikationen auf einer fehlgeleiteten Autoantikörper-Bildung beruhen könnten.
Dies wurde z.B. für die Impfstoff-induzierte thrombotische Thrombozytopenie oder "VITT" (Vaccine-induced thrombotic thrombocytopenia) nach Impfungen mit den Vektor-basierten Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson&Johnson diskutiert.
Allerdings konnten bislang noch keine Beweise für diese Hypothese gefunden werden. Die durch Impfung induzierte Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Spike-Protein sind nicht an der Komplementaktivierung bei VITT beteiligt. Ein Nachweis einer, durch Impfung ausgelösten Autoantikörpern konnte bislang noch nicht geführt werden.

Andere Theorien sehen Impfstoffbestandteile mit spezifisch die Immunantwort verstärkender Wirkung (Adjuvanzien bzw. spezifische Immunwirkung der mRNA als solche) als möglichen Auslöser für Autoimmunreaktionen an.

Impfstoffe auf der Grundlage von mRNA-haltigen Lipid-Nanopartikeln (LNP) sind eine vielversprechende neue Plattform, die von zwei führenden Impfstoffen gegen COVID-19 verwendet wird. Die LNP mit ihrer starken Adjuvans-Aktivität wurden als Trägermedium gewählt, um die mRNA vor dem Abbau zu schützen und die intrazelluläre Verabreichung und den endosomalen Austritt zu erleichtern. Die LNP bestehen aus einer Mischung aus Phospholipiden, Cholesterin, PEGylierten Lipiden und kationischen oder ionisierbaren Lipiden.
IgE-vermittelte Reaktionen im Zusammenhang mit PEGs, einem identifizierten Verursacher, können an anaphylaktischen Reaktionen nach COVID-19-Impfung beteiligt sein.
In Mausmodellen konnten Lipid-Nanopartikel Entzündungsreaktionen auslösen, die durch eine massive Infiltration von Neutrophilen, die Aktivierung verschiedener Entzündungswege und die Produktion verschiedener entzündlicher Zytokine und Chemokine, einschließlich der Sekretion von IL-1β/IL-6 und Makrophagen-Entzündungsprotein-α und Makrophagen-Entzündungsprotein-β, gekennzeichnet waren.

Bislang bekannte, bestätigte Impf-Nebenwirkungen (und mögliche Langzeitkomplikationen?) der verschiedenen Covid-19-Vakzinen

  • Impfstoff-induzierte thrombotische Thrombozytopenie oder "VITT" (Vaccine-induced thrombotic thrombocytopenia)
    • Die VITT ist die wohl häufigste gefährliche Impf-nebenwirkung; sie tritt eher nach vektorbasierenden Impfstoffen auf, wurde aber auch nach mRNA-basierten Imfpfungen beschrieben.
  • Immunthrombozytopenische Purpura (ITP)
    • Es gibt Hinweise, dass diese Nebenwirkung auf molekularer Mimikry basieren könnte. Die ITP trat meist relativ zeitnah nach einer Impfung auf. (Perricone C, Ceccarelli F, Nesher G, Borella E, Odeh Q, Conti F, et al. Immune thrombocytopenic purpura (ITP) associated with vaccinations: a review of reported cases. Immunol Res. 2014;60(2-3):226-35.)
  • Autoimmunerkrankungen der Leber (Autoimmunhepatitis (AIH), primär biliäre Cholangitis und primär sklerosierende Cholangitis
    • Vorliegenden Fallberichten folgend könnten Autoimmunhepatitiden am ehesten in Zusammenhang mit den mRNA-Impfstoffen gebracht werden. Die durchschnittliche Zeit bis zum Auftreten der Symptome nach der Impfung betrug in den Berichten 13 Tage und reichte von 4 bis 26 Tagen. Zu den klinischen Manifestationen gehörten Gelbsucht, Schnittstellenhepatitis und abnorme Leberfunktionstests. Obwohl der kausale Zusammenhang zwischen dem SARS-CoV-2-Impfstoff und der AIH nicht endgültig nachgewiesen werden kann, deuten die Fallberichte darauf hin, dass dieser Zusammenhang mehr als nur zufällig sein könnte.
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
    • Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene neurologische Autoimmunerkrankung, die die peripheren Nerven und Nervenwurzeln betrifft und durch bestimmte Infektionen wie Cytomegalovirus, Epstein-Barr-Virus und Zika-Virus ausgelöst wird [105]. Frühere Studien haben gezeigt, dass GBS mit Impfstoffen gegen Tollwut, Hepatitis A und B sowie Influenza in Verbindung gebracht wurde. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass GBS nach einer COVID-19-Impfung auftreten könnte.
  • IgA-Nephropathie
    • Die IgA-Nephropathie ist weltweit die häufigste Form der primären Glomerulonephritis und führt bei 20-40 % der Patienten innerhalb von 20 Jahren nach der Diagnose zu Nierenversagen. In jüngster Zeit deuten mehrere Fallberichte darauf hin, dass die COVID-19-Impfung ein Auslöser der IgA-Nephropathie sein könnte.
  • Entzündliche Arthritis, rheumatoide Arthritis
    • Im Iran wurde bei rund 30 % der Personen nach der Sputnik V COVID-19-Impfung über Arthralgie berichtet. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) ist der Ansicht, dass die COVID-19-Impfung (mRNA-1273) in einem plausiblen Zusammenhang mit dem Auftreten von rheumatoider Arthritis steht.
  • Neben den oben beschriebenen Komplikationen wurden in einigen Fällen auch andere Autoimmunmanifestationen wie SLE, Lupusnephritis, Morbus Basedow, Diabetes-Typ-1, und systemischer Lupus erythematosus gemeldet.
  • Über Reaktivierung von Herpes-Infektionen in Form von Herpes zoster wurde berichtet.

Im Rahmen der weltweit durchgeführten Impfprogramme ist davon auszugehen, dass weitere Autoimmunphänomene auftreten werden, für die ein möglicher Zusammenhang mit den Impfungen plausibel sein könnte.
In Anbetracht der enormen Zahl der kürzlich mit COVID-19 geimpften Bevölkerung ist die Zahl der schwerwiegenden autoimmunologischen Ereignisse verschwindend gering.
In vielen impfenden Ländern existieren mäßig gut bis sehr gut organisierte Überwachungsprogramme. Diese sind allerdings darauf angewiesen, dass Ärzte und weiteren Gesundheitsversorger in der Breitenversorgung durch aktive Teilnahme und Meldung zu einer möglichst umfassenden, kontinuierlichen Nachbeobachtung geimpfter Personen beitragen. Nur so können ausreichend Daten gewonnen werden, um mögliche Zusammenhänge zu identifizieren und auf Kausalität zu überprüfen.

Literatur

Immunphänomene und SARS-CoV-2-Impfung allgemein

Einzelphänomene

Gerinnungsprobleme und/oder kardiovaskuläre Erkrankungen

Systematische Literaturauswertung, Review:
In dieser Übersichtsarbeit wurde die Literatur nach Studien zu kardiovaskulären und hämatologischen Komplikationen im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfungdurchsucht.
Bei den meisten der gefundenen Studien zu möglichen oder vermuteten kardiovaskulären und hämatologischen Impfnebenwirkungen handelte es sich entweder um Fallserien oder um Fallberichte. Diese erlaubten es nicht, die Prävalenz der kardiovaskulären und hämatologischen Ereignisse in den geimpften Bevölkerungsgruppen zu berechnen.
Einzelne gefundene Studien bezogen sich jedoch auf die jeweilige Bevölkerung eines Landes. Für dies konnte die Prävalenz kardiovaskulärer und thrombotischer Ereignisse berechnet werden:
Eine Untersuchung an 132913 Personen, die den Impfstoff von Pfizer erhielten, fand nur drei Thrombosen (0,002 %).
Eine Untersuchung an 281264 Personen, die den Impfstoff von AstraZeneca erhalten hatten, berichtete über kardiovaskuläre Komplikationen bei 0,0002 % und eine Thrombose bei 0,04 %.
Eine andere Untersuchung berichtete über eine Thromboserate (0,0006 % von 361734967) nach einer Impfung durch Pfizer, Moderna oder AstraZeneca.
Im Vereinigten Königreich und in der EU hatten mindestens 17 000 000 zum Zeitpunkt der Untersuchung mindestens eine Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs erhalten. Daraus lässt sich eine Prävalenz von Thrombosen nach der COVID-19-Impfung von 0,00024 % errechnen.
Nach Angaben des National Health Service (NHS), UK betrug die Inzidenz von Thrombosen nach der zweiten Dosis der AstraZeneca-Impfung im Vereinigten Königreich 1,3 pro eine Million Dosen, - und alle Fälle traten bei Patienten im Alter von 50 Jahren oder älter auf.

Für eine Beurteilung der Impfnebenwirkungen ist es wichtig, zu wissen, wie häufig eine COVID-19-Erkrankung kardiovaskuläre Komplikationen und Thrombosen verursachen kann.
Eine Untersuchung berichteten, dass 19,7 % von 416 hospitalisierten Patienten mit COVID-19 ein kardiovaskuläres Ereignis aufwiesen, während eine Meta-Analyse ergab, dass mindestens 8,0 % der COVID-19-Patienten eine akute Myokardverletzung erlitten.
Während die Prävalenz von Thrombosen nach Impfungen im Vereinigten Königreich mit 1,3 pro Million Dosen angegeben wurde, wurde die Rate der COVID-19-Erkrankungs-assoziierten Thrombosen bei allen stationär behandelten COVID-19-Patienten mit 22 % angegeben. Bei Patienten auf Intensivstation betrug die Rate der COVID-19-assoziierten Thrombosen 43 %.
Die Review-Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Rate kardiovaskuläre und hämatologischer Ereignisse nach allen Arten der Impfung bei etwa 0,000001 % (3174/3,09 Milliarden) lag, bei weltweit zum Zeitpunkt der Berechnungen etwa 3,09 Milliarden verabreichten Dosen.
Schlussfolgerungen/Fazit: Viele der Personen, bei denen nach der COVID-19-Impfung kardiovaskuläre und/oder hämatologische Komplikationen auftraten, hatten Komorbiditäten/Risikofaktoren, die ihr Risiko für solche Komplikationen erhöhen oder sogar die direkte Ursache für solche Ereignisse sein könnten. Bei vielen anderen Personen traten solche Ereignisse nach der COVID-19-Impfung jedoch auch ohne zugrunde liegende Risikofaktoren auf. Die Anzahl der kardiovaskuläre und/oder hämatologische Komplikationen nach einer Erkrankung an Covid-19 wird in der Literatur übereinstimmend als vielfach höher berichtet.

Neurologische Störungen

Teilnehmer: 8 330 497 Personen, die zwischen der Einführung der Impfkampagnen und dem Ende der Datenverfügbarkeit (NHS-Versorgungsdaten aus UK bis zum 9. Mai 2021; Versorgungsdaten aus Spanien bis 30. Juni 2021) mindestens eine Dosis der Covid-19-Impfstoffe ChAdOx1 nCoV-19, BNT162b2, mRNA-1273 oder Ad.26.COV2.S erhalten hatten. Die Studienstichprobe umfasste auch eine Kohorte von 735 870 ungeimpften Personen mit einem ersten positiven PCR-Testergebnis für SARS-CoV-2 ab dem 1. September 2020 sowie 14 330 080 Teilnehmer aus der Allgemeinbevölkerung.
Insgesamt entsprachen die gefundenen Raten nach der Impfung den erwarteten (Hintergrund-)Raten für die Bellsche Lähmung, die Enzephalomyelitis und das Guillain-Barré-Syndrom. Selbstkontrollierte Fallserien wurden aufgrund der begrenzten statistischen Aussagekraft nur für die Bell-Lähmung durchgeführt. In diesem Vergleich konnte kein Risikosignal bei den Geimpften festgestellt werden. Die Raten nach einer SARS-CoV-2-Infektion waren jedoch höher als erwartet. So lag in den Daten aus dem Vereinigten Königreich das standardisierte Inzidenzverhältnis für die Bell-Lähmung bei 1,33 (1,02 bis 1,74), für Enzephalomyelitis bei 6,89 (3,82 bis 12,44) und für das Guillain-Barré-Syndrom bei 3,53 (1,83 bis 6,77). Transversale Myelitis war selten (<5 Ereignisse in allen geimpften Kohorten) und konnte nicht analysiert werden.
Schlussfolgerung der Autoren: Es wurde kein Sicherheitssignal zwischen Covid-19-Impfstoffen und den immunvermittelten neurologischen Ereignissen Bell-Lähmung, Enzephalomyelitis, Guillain-Barré-Syndrom und transversale Myelitis beobachtet. Ein erhöhtes Risiko für Glockenlähmung, Enzephalomyelitis und Guillain-Barré-Syndrom wurde jedoch bei Personen mit einer SARS-CoV-2-Infektion beobachtet.

Systematische Literaturanalyse:
Die meisten der gemeldeten Ereignisse waren zeitlich begrenzt und klangen spontan ab. Angesichts der Seltenheit der gemeldeten neurologischen Ereignisse im Vergleich zur Gesamtzahl der verabreichten Impfstoffe und der Ähnlichkeit der Häufigkeit von Ereignissen zwischen COVID-19-Impfstoffen und anderen gebräuchlicheren Impfstoffen gibt es wenig Anhaltspunkte für einen kausalen Zusammenhang zwischen COVID-19-Impfstoffen und unerwünschten neurologischen Ereignissen.

Anekdotische Berichte legen nahe, dass die Impfstoffe mit Entzündungen des Gehirns, des Rückenmarks, des peripheren Nervensystems und des Herzens in Verbindung gebracht werden könnten.
Die Autoren berichten über klinische und MRT-Merkmale von sieben Personen, die entweder den Moderna (n = 3) oder den Pfizer (n = 4) SARS-CoV-2 mRNA-Impfstoff erhalten hatten. Innerhalb von einem bis 21 Tagen nach der ersten (n = 2) oder zweiten (n = 5) Impfstoffdosis entwickelten diese Patienten neurologische Symptome und MRT-Befunde, die auf eine aktive ZNS-Demyelinisierung des Sehnervs, des Gehirns und/oder des Rückenmarks schließen ließen. Zu den Symptomen gehörten Sehstörungen, Dysmetrie, Gangunsicherheit, Parästhesien, Schließmuskelschwäche und Gliederschwäche. Das Alter reichte von 24 bis 64 (Mittelwert 39,1) Jahren; fünf der Patienten waren Frauen (71,4 %). Die endgültige Diagnose lautete Exazerbation einer bekannten stabilen MS (n = 4, zwei erhielten zum Zeitpunkt der Impfung eine krankheitsmodifizierende Therapie), neu auftretende MS (n = 2) oder neu auftretende Neuromyelitis optica (n = 1). Alle sprachen auf eine Kortikosteroid- (n = 7) oder Plasmaaustausch-Therapie (n = 1) an, wobei fünf auf den Ausgangswert zurückkehrten und zwei sich dem Ausgangswert näherten.

Ziel dieser Studie war es, die weltweit gemeldeten Fälle von ZNS-Demyelinisierung im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung systematisch zu überprüfen.
Ergebnisse: Es wurden weltweit insgesamt 32 Fälle identifiziert. Elf Fälle waren nach einem Impfstoff von Pfizer, acht nach einem Impfstoff von AstraZeneca, sechs nach einem Impfstoff von Moderna, fünf nach einem Impfstoff von Sinovac/Sinopharm und jeweils einer nach einem Impfstoff von Sputnik und Johnson&Johnson gemeldet worden. Die Mehrzahl der Fälle (71,8 %) trat nach der ersten Impfstoffdosis auf, wobei sich die neurologischen Symptome im Durchschnitt nach 9 Tagen manifestierten. Am häufigsten wurden eine transversale Myelitis (12/32) und MS-ähnliche Symptome (Erstdiagnose oder Rückfall) in weiteren 12/32 Fällen berichtet, gefolgt von ADEM-ähnlichen (5/32) und NMOSD-ähnlichen (3/32) Symptomen. In 17/32 (53,1 %) Fällen wurde über eine frühere immunvermittelte Erkrankung berichtet. Die mRNA-basierten Impfstoffe führten zu den meisten demyelinisierenden Syndromen (17/32), gefolgt von viralen Vektorimpfstoffen (10/32) und inaktivierten Impfstoffen (5/32). Die meisten MS-ähnlichen Episoden (9/12) wurden durch mRNA-basierte Impfstoffe ausgelöst, während TM sowohl nach viralen Vektor- als auch mRNA-basierten Impfstoffen auftrat. Die Behandlung umfasste hochdosiertes Methylprednisolon, PLEX, IVIg oder eine Kombination davon, mit einem günstigen Ausgang in der Mehrzahl der Fälle; deutliche/vollständige Verbesserung (25/32) oder stabilisierte/teilweise Erholung in den übrigen Fällen.
Fazit der Autoren: Bei dieser systematischen Überprüfung wurden nur wenige Fälle von ZNS-Demyelinisierung nach allen bisher zugelassenen COVID-19-Impfstoffen festgestellt. Das klinische Erscheinungsbild war heterogen, vor allem nach der ersten Dosis, jedoch hatte die Hälfte der gemeldeten Fälle eine Vorgeschichte mit einer immunvermittelten Erkrankung. In den meisten Fällen wurde ein positiver Ausgang beobachtet. Informationen über einen tatsächlichen Zusammenhang mit der Impfung könnte nur eine weitere, weltweite, langfristige Überwachung mit Meldung aller Fälle von ZNS-Demyelinisierung bei COVID-19-geimpften Personen liefern. Bislang sind Aussagen zum Zusammenhang von ZNS-Demyelinisierung und COVID-19-Impfstoffen aus den Daten nicht abzuleiten.

Vor allem nach der Verabreichung von mRNA-Impfstoffen wurde über Fazialisparesen (Bellsche Lähmung) berichtet. Weitere unerwartete neurologische Nebenwirkungen, die wahrscheinlich als Folge des Phänomens der molekularen Mimikry aufgetreten sein können, sind akute transversale Myelitis, akute disseminierte Enzephalomyelitis und akute demyelinisierende Polyneuropathie. Nach der Verabreichung von mRNA-Impfstoffen wurde auch eine, wahrscheinlich überzufällig gehäufte, Reaktivierung von Herpes zoster beobachtet.

Ophthalmologische Probleme

  • Ng XL, Betzler BK, Ng S, Chee SP, Rajamani L, Singhal A, Rousselot A, Pavesio CE, Gupta V, de Smet MD, Agrawal R. The Eye of the Storm: COVID-19 Vaccination and the Eye. Ophthalmol Ther. 2022 Feb;11(1):81-100. doi: 10.1007/s40123-021-00415-5. Epub 2021 Dec 16. PMID: 34914035; PMCID: PMC8675299.
  • Ng XL, Betzler BK, Testi I, Ho SL, Tien M, Ngo WK, Zierhut M, Chee SP, Gupta V, Pavesio CE, de Smet MD, Agrawal R. Ocular Adverse Events After COVID-19 Vaccination. Ocul Immunol Inflamm. 2021 Aug 18;29(6):1216-1224. doi: 10.1080/09273948.2021.1976221. Epub 2021 Sep 24. PMID: 34559576; PMCID: PMC8477588.

Otologische Probleme

  • Wichova H, Miller ME, Derebery MJ. 8https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34267103/ Otologic Manifestations After COVID-19 Vaccination: The House Ear Clinic Experience.] Otol Neurotol. 2021 Oct 1;42(9):e1213-e1218. doi: 10.1097/MAO.0000000000003275. PMID: 34267103; PMCID: PMC8443418.

Innerhalb desselben 30-Tage-Zeitraums in den Jahren 2019, 2020 und 2021 entfielen 1,6; 2,4 bzw. 3,8 % aller Arztbesuche auf Patienten mit der Diagnose einer neu auftretenden idiopathischen Schallempfindungsschwerhörigkeit (SNHL) ohne andere zugrunde liegende otologische Diagnosen. Die Daten wurden für die jeweiligen Jahre verglichen.
Schlussfolgerung der Autoren: Es gibt keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen der COVID-19-Pandemie oder der Impfung und neuen oder verschlimmerten otologischen Symptomen. Geimpfte Patienten mit neuen oder sich verschlimmernden otologischen Symptomen sollten umgehend zur Untersuchung überwiesen werden. Verdachtsfälle von otologischen Symptomen nach der Impfung sollten dem Meldesystem für unerwünschte Ereignisse bei Impfstoffen (VAERS) des Center for Disease Control (CDC) gemeldet werden.

Impfung bei Patienten, die bereits nach Covid-10-Erkrankung symptomatisch waren

Die Autoren konnten bei den untersuchten Patienten keine Verschlechterung der Symptome durch eine Covid-19-Impfung feststellen.

Therapieansatz HBO

Weitere Artikel zum Thema Covid-19 auf Wikidot


Die Beiträge in diesem Wiki zu "Erkrankungen und Behinderungen", gesundheitlichen Problemlagen und Indikationen erheben weder den Anspruch, umfassend noch hinsichtlich der Einsortierung in einer Rubrik immer unstrittig zu sein.
Die Beiträge sind aus sozialmedizinischem Blickwinkel und mit dem Schwerpunkt der sozialmedizinischen Begutachtung einsortiert. Aus der Einordnung in einer Rubrik resultiert weder eine Wertung noch eine objektive Feststellung hinsichtlich der Bedeutung einer gesundheitlichen Problemlage/Erkrankung.
Alle Darstellungen medizinischer Sachverhalte, Erkrankungen und Behinderungen und deren sozialmedizinische Einordnung und Kommentierungen hier im Wiki dienen nicht einer "letzt begründenden theoretisch-wissenschaftlichen Aufklärung", sondern sind frei nach Karl Popper "Interpretationen im Licht der Theorien."*

* Zitat nach: Bach, Otto: ''Über die Subjektabhängigkeit des Bildes von der Wirklichkeit im psychiatrischen Diagnostizieren und Therapieren''. In: Psychiatrie heute, Aspekte und Perspektiven, Festschrift für Rainer Tölle, Urban & Schwarzenberg, München 1994, ISBN 3-541-17181-2, (Zitat: Seite 1)

Alle medizinischen Aussagen und Informationen in diesem Wiki dienen nicht der medizinischen Beratung und können und sollen eine persönliche fachliche ärztliche Beratung nicht ersetzen!


Neue Seite anlegen

Sofern nicht anders angegeben, steht der Inhalt dieser Seite unter Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License