Post-Covid: Therapie-Ansatz Apherese

Erstellt am 29 Oct 2022 15:29
Zuletzt geändert: 16 Nov 2022 12:15

Therapieansatz Apherese/Immunadsorption

Fachliche Stellungnahmen

  • idw 07.10.2022: Post-COVID und Apherese – vielversprechende Therapie oder ein Geschäft mit der Verzweiflung? - Kommentar zur Erklärung der DGfN vom 11.08.22.
  • Deutsche Gesellschaft für Nephrologie, 11.08.22: Aktualisierte Stellungnahme der Kommission Apherese der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie:
    • Das Long-COVID-Syndrom kann in seiner Präsentation Ähnlichkeiten mit dem Myalgischen Enzephelomyelitis/Chronic Fatigue Syndrom (ME/CFS), bei dem eine virale und autoimmune Pathogenese vermutet wird, haben. Bei beiden Erkrankungen wurden Antikörper (Abwehreiweiße) nachgewiesen, die an Rezeptoren auf körpereigenen Zellen binden können und möglicherweise wichtige Aspekte dieser Krankheitsbilder vermitteln. Eine Reduktion dieser Antikörper könnte somit eine therapeutische Option für das Long-COVID-Syndrom darstellen. Unkontrollierte Fallstudien zeigen, dass eine Immunadsorption bei Patientinnen und Patienten mit ME/CFS mutmaßlich Antikörper gegen Neurotransmitterrezeptoren reduziert und diese Therapie zu einer Besserung der Symptome führt.
    • Plasmaaustausch und Immunadsorption werden bei einer Reihe von Autoimmunerkrankungen erfolgreich eingesetzt. Beides sind maschinelle Blutreinigungsverfahren, welche mehr (Immunadsorption) oder weniger (Plasmaaustausch) gezielt Antikörper aus dem Blut beseitigen. Auf dieser Basis könnte daher die Grundlage für einen Therapieversuch in sehr schweren Fällen des Long-COVID-Syndroms, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit Long-COVID und Antikörpernachweis, entstehen. Derzeit sind aber weder die Bedeutung der Antikörper noch die Wirksamkeit dieser Verfahren in diesem Zusammenhang wissenschaftlich bewiesen und kommen somit als Therapieverfahren zurzeit nicht in Frage.
    • Wir begrüßen unbedingt alle Aktivitäten, die auf ein wissenschaftlich gestütztes, systematisches Vorgehen im Umgang mit Plasmapherese, Immunadsorption und Lipoproteinaphereseverfahren bei Patientinnen und Patienten mit Long-COVID-Syndrom abzielen und entsprechende Daten in ein Register einbringen… Ohne fundierte wissenschaftliche Daten kann keine Empfehlung für die Durchführung diese Therapieverfahren ausgesprochen werden, auch da es bei ihrer unsachgemäßen Anwendung zu schweren Komplikationen kommen kann. Daher sollten diese maschinellen Therapien ausschließlich von dafür ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten mit nachgewiesener Erfahrung durchgeführt werden.
    • … Bei den bisher verfügbaren (auch positiven) Einzelfallberichten können Störvariablen nicht ausgeschlossen werden. Diese Berichte sind aber ausreichend motivierend, um kontrollierte Studien in Zusammenarbeit von Long-COVID-Ambulanzen und etablierten Apheresezentren zu rechtfertigen. So könnten auch Hinweise für eine rationale Diagnostik und die pathophysiologischen Grundlagen gewonnen werden…
    • Meldung auf Springermedizin.de vom 08.11.22: Keine Apherese gegen Long-COVID:
    • Bei Patient*innen mit Long-COVID sollte nicht leichtfertig eine Apherese vorgenommen werden, mahnt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Die Wirksamkeit sei bei dieser Patientengruppe nicht nachgewiesen. Zwar gebe es Fallberichte, die einen positiven Effekt der Apherese bei Long-COVID-Symptomen beschrieben, jedoch keine randomisierten Studien mit Beweiskraft, wird Prof. Julia Weinmann-Menke, Mainz, in einer Mitteilung zitiert. Die "International Society for Apheresis" habe Anfang Oktober ein Post-COVID-Aphereseregister aufgelegt. In ihm sollen alle gängigen Behandlungsansätze dokumentiert und die klinischen Beschwerdebilder evaluiert werden. Die DGfN möchte nicht auf die Registerempfehlungen warten. Stattdessen wolle die Gesellschaft die Studienprotokolle der Universitätskliniken, die entsprechenden Studien bereits planen, harmonisieren. So könnten die Daten perspektivisch gepoolt ausgewertet werden.

Literatur

Übersichten/Reviews zu Apherese und Post-COVID/Long-COVID

  • Steenblock C, Walther R, Tselmin S, Jarzebska N, Voit-Bak K, Toepfner N, Siepmann T, Passauer J, Hugo C, Wintermann G, Julius U, Barbir M, Khan TZ, Puhan MA, Straube R, Hohenstein B, Bornstein SR, Rodionov RN. Post COVID and Apheresis - Where are we Standing? Horm Metab Res. 2022 Oct 27. doi: 10.1055/a-1945-9694. Epub ahead of print. PMID: 36113501.

Fazit: Die Forschung ist kaum weitergekommen. Long-Covid-Patienten wurden in Deutschland zwar mit verschiedenen Formen der Apherese behandelt. Die Methoden unterschieden sich aber so sehr, dass die Ergebnisse kaum zu vergleichen sind. Der Zustand mancher Patienten hat sich kurzfristig zwar verbessert, die Besserung aber oft nur Wochen angehalten.
Eine Fallserie von Fällen aus der Stadt Cham, in der Nähe von Regensburg, umfasste 1111 Patienten mit Symptomen der ME/CFS. Einige, aber nicht alle der Patienten, waren nach einer Corona-Infektion erkrankt. Zusätzlich zu den Blutwäschen wurden die Patienten in Cham mit hochdosiertem Vitamin C und Steroiden behandelt. 56 Prozent der Patienten soll es unmittelbar nach der zweiten Apherese bedeutend besser gegangen sein. Nach sechs Monaten hatten sogar schon 74 Prozent über eine Verbesserung ihrer Symptome berichtetet, wobei konkrete Daten zum Follow-up aber fehlen.

  • Bornstein SR, Cozma D, Kamel M, Hamad M, Mohammad MG, Khan NA, Saber MM, Semreen MH, Steenblock C. Long-COVID, Metabolic and Endocrine Disease. Horm Metab Res. 2022 Aug;54(8):562-566. doi: 10.1055/a-1878-9307. Epub 2022 Jun 20. PMID: 35724687; PMCID: PMC9363148.

Übersichten/Reviews zur Apherese bei (akutem) COVID-19

  • Xanthi Z, Vasiliki P, Stavros A. Apheresis and COVID-19 in intensive care unit (ICU). Transfus Apher Sci. 2022 Nov 1:103593. doi: 10.1016/j.transci.2022.103593. Epub ahead of print. PMID: 36335074; PMCID: PMC9624107.
    • In der Ära der Covid-19-Pandemie wurde Cytosorb in die Behandlungsleitlinien mehrerer nationaler medizinischer Fachgesellschaften aufgenommen. Zunächst empfahl die Italienische Gesellschaft für Nephrologie die Verwendung von CytoSorb in Kombination mit einer kontinuierlichen Nierenersatztherapie (CRRT) bei COVID19-Patienten mit akuter Nierenschädigung (AKI) im Stadium 3. Im April 2020 genehmigte die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) die Notfallverwendung von CytoSorb bei "kritisch kranken COVID-19-Patienten mit akutem oder drohendem Atemversagen". Die Experten empfehlen, dass die Cytosorb-Behandlung bei instabilen Patienten als unterstützende Therapie eingesetzt werden sollte, wenn die medizinische Behandlung nicht ausreicht.
  • Tselmin S, Julius U, Jarzebska N, Rodionov RN. COVID-19 and Therapeutic Apheresis. Horm Metab Res. 2022 Aug;54(8):571-577. doi: 10.1055/a-1864-9482. Epub 2022 Aug 9. Erratum in: Horm Metab Res. 2022 Aug;54(8):e5. PMID: 35944525.

Übersichten/Reviews zur Apherese bei neurologischen Erkrankungen

  • Klingele M, Allmendinger C, Thieme S, Baerens L, Fliser D, Jan B. Therapeutic apheresis within immune-mediated neurological disorders: dosing and its effectiveness. Sci Rep. 2020 May 13;10(1):7925. doi: 10.1038/s41598-020-64744-4. PMID: 32404917; PMCID: PMC7220931.
    • Plasmaaustausch (PE) und Immunadsorption (IA) sind Standardtherapieoptionen für immunvermittelte neurologische Erkrankungen. In dieser retrospektiven Studie wurde der Zusammenhang zwischen der relativen Menge der verabreichten Dosis von PE und/oder IA und der erzielten therapeutischen Wirksamkeit bei den behandelten neurologischen Grunderkrankungen untersucht.
    • Die Autoren werteten Daten von PE und IA aus, die von 09/2009-06/2014 bei neurologischen Patienten am Universitätsklinikum des Saarlandes durchgeführt wurden. Die Apherese-Dosis wurde definiert als das Verhältnis zwischen dem extrakorporal behandelten Plasmavolumen und dem Plasmavolumen des Patienten. Die Wirksamkeit wurde anhand krankheitsspezifischer Tests und Bewertungen durch den/die behandelnden Neurologen beurteilt; die Ergebnisse wurden als Ansprechen oder Nichtansprechen klassifiziert. 1101 Apheresen (PE:238, IA:863) wurden bei 153 Krankenhausaufenthalten durchgeführt, durchschnittlich 7,0 Behandlungen pro Patient, 82 % sprachen an, 18 % nicht. Die durchschnittlich angewandte Apherese-Dosis pro Behandlung betrug 0,91, mit einer durchschnittlichen Dosis von 1,16 für PE und 0,81 für IA. Die insgesamt angewandte mittlere Dosis pro Aufenthalt betrug 5,6 (PE:5,01, IA:5,81). Es wurde keine Korrelation zwischen der Apherese-Dosierung und der Wirksamkeit der Behandlung festgestellt (PE:R2 = 0,074, IA:R2 = 0,0023).
    • PE und IA erzielten bei therapierefraktären immunvermittelten neurologischen Erkrankungen überwiegend eine messbare Schweregradverbesserung - ohne Korrelation zur angewandten Dosis. Darüber hinaus deuten unsere Daten eher darauf hin, dass eine Wirksamkeit mit Volumina unterhalb der derzeit empfohlenen Volumina erreicht werden kann.

CRP-Apherese

Immunadsorption

  • Tseke P, Griveas I. Immunoadsorption and covid 19 pandemic. Transfus Apher Sci. 2022 Nov 1:103599. doi: 10.1016/j.transci.2022.103599. Epub ahead of print. PMID: 36372733. (Volltext):
    • Eine beträchtliche Zahl von Patienten klagt auch Monate nach der Erkrankung an COVID-19 über anhaltende Symptome. Chronische Müdigkeit und anhaltende Atembeschwerden sind die häufigsten Symptome des Post-COVID-19-Syndroms. Myalgische Enzephalomyelitis/chronisches Müdigkeitssyndrom (ME/CFS) ist ein heterogenes Syndrom mit autoimmuner Ätiologie, das in der Regel durch eine Virusinfektion ausgelöst wird und einige gemeinsame Symptome mit dem Post- oder Langzeit-COVID-Syndrom zu haben scheint. Das Vorhandensein von Autoantikörpern gegen M1-Acetylcholinrezeptoren und gegen β1- und β2-Adrenorezeptoren wurde bei Patienten mit ME/CFS nachgewiesen, was zur Dysregulation des autonomen sympathischen und parasympathischen Nervensystems bei diesen Patienten beitragen kann.
    • In einer Beobachtungsstudie an zehn Patienten mit postinfektiösem ME/CFS führte die Immunadsorption mit einer IgG-bindenden Säule über 5 Tage zu einer raschen Reduktion der Neurotransmitterrezeptor-Antikörper mit anschließender klinischer Verbesserung bei sieben Patienten.
    • Bornstein et al. berichteten, dass bei Patienten mit einem Post-COVID-19-Müdigkeitssyndrom erhöhte Neurotransmitter-Autoantikörper festgestellt wurden, ähnlich wie bei Patienten mit anderen Formen von durch Infektionen ausgelöstem ME/CFS. Bei drei dieser Patienten konnte die extrakorporale Apherese (INUSpherese) die Spiegel dieser Autoantikörper signifikant senken und die Symptome des CFS lindern.
    • Kim et al. berichteten über einen Patienten mit sensorischer Ataxie und Enzephalomyelitis-typischen Läsionen im MRT nach COVID-19, der erfolgreich mit 6 Sitzungen Immunadsorption behandelt wurde.
    • Obwohl diese ersten Ergebnisse noch durch größere Studien bestätigt werden müssen, könnte die Immunadsorption eine wirksame Behandlungsoption für Patienten mit ME/CFS oder neurologischen Störungen aufgrund des langen COVID-19-Syndroms darstellen.
  • Dorst J, Fangerau T, Taranu D, Eichele P, Dreyhaupt J, Michels S, Schuster J, Ludolph AC, Senel M, Tumani H. Safety and efficacy of immunoadsorption versus plasma exchange in steroid-refractory relapse of multiple sclerosis and clinically isolated syndrome: A randomised, parallel-group, controlled trial. EClinicalMedicine. 2019 Nov 14;16:98-106. doi: 10.1016/j.eclinm.2019.10.017. PMID: 31832624; PMCID: PMC6890948.
    • Zwischen dem 21. Januar 2016 und dem 26. Oktober 2018 wurden 63 Patienten auf ihre Eignung geprüft, und 61 Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip einer Immunadsorption (IA; n = 31) oder einem Plasmaaustausch (PE; n = 30) zugewiesen. Alle randomisierten Patienten wurden in die Intention-to-Treat-Analyse aufgenommen. Für das primäre Ergebnis betrug die mediane Verbesserung des MSFC nach 4 Wochen gegenüber dem Ausgangswert 0,385 (IQR 0,200-0,675; p < 0,001) in der IA-Gruppe und 0,265 (IQR 0,100-0,408; p < 0,001) in der PE-Gruppe. Die Verbesserung in der IA-Gruppe war im Vergleich zur PE-Gruppe signifikant größer (p = 0,034). Die Ansprechraten nach 4 Wochen betrugen 86,7 % in der IA-Gruppe und 76,7 % in der PE-Gruppe. In jeder Gruppe trat eine tiefe Venenthrombose auf.
  • Scheibenbogen C, Loebel M, Freitag H, Krueger A, Bauer S, Antelmann M, Doehner W, Scherbakov N, Heidecke H, Reinke P, Volk HD, Grabowski P. Immunoadsorption to remove ß2 adrenergic receptor antibodies in Chronic Fatigue Syndrome CFS/ME. PLoS One. 2018 Mar 15;13(3):e0193672. doi: 10.1371/journal.pone.0193672. PMID: 29543914; PMCID: PMC5854315.
    • Fallserie mit zehn Patienten mit postinfektiösem ME/CFS, die mittels Immunadsorption mit einer IgG-bindenden Säule über 5 Tage behandelt wurden. Es kam zu einer raschen Reduktion der Neurotransmitterrezeptor-Antikörper mit anschließender klinischer Verbesserung bei sieben Patienten.

HELP-Apherese

Pathophysiologie
  • Grobbelaar LM, Kruger A, Venter C, Burger EM, Laubscher GJ, Maponga TG, Kotze MJ, Kwaan HC, Miller JB, Fulkerson D, Huff W, Chang E, Wiarda G, Bunch CM, Walsh MM, Raza S, Zamlut M, Moore HB, Moore EE, Neal MD, Kell DB, Pretorius E. Relative Hypercoagulopathy of the SARS-CoV-2 Beta and Delta Variants when Compared to the Less Severe Omicron Variants Is Related to TEG Parameters, the Extent of Fibrin Amyloid Microclots, and the Severity of Clinical Illness. Semin Thromb Hemost. 2022 Oct;48(7):858-868. doi: 10.1055/s-0042-1756306. Epub 2022 Sep 29. PMID: 36174604.
    • Frühere Varianten von SARS-CoV-2 wurden mit Hyperkoagulabilität und einer umfangreichen Bildung von Fibrin-Amyloid-Mikroklumpen in Verbindung gebracht, die zur Pathologie der Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) beitragen sollen. Die neueren Omicron-Varianten scheinen weitaus übertragbarer, aber weniger virulent zu sein, selbst wenn man die durch frühere Infektionen oder Impfungen erworbene Immunität berücksichtigt. Wir zeigen hier, dass die mit den Omicron-Varianten assoziierten Gerinnungsparameter zwar signifikant über denen von gesunden, angepassten Kontrollen liegen, aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau als bei schwereren Varianten wie Beta und Delta. Wir beobachteten auch, dass Personen, die mit Omicron-Varianten infiziert waren, weniger umfangreiche Mikro-Clot-Bildung in plättchenarmem Plasma aufwiesen als diejenigen, die die virulenteren Varianten in sich trugen.
    • Die Messung der Gerinnungseffekte zwischen den verschiedenen Varianten dient als eine Art "interne Kontrolle", die den Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Gerinnungsstörungen und der Virulenz der betreffenden Virus-Variante aufzeigt. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass Mikro-Clots eine wichtige Rolle bei der Schwere der bei COVID-19 beobachteten Symptome spielen können.
  • Dinnon KH 3rd, Leist SR, Okuda K, Dang H, Fritch EJ, Gully KL, De la Cruz G, Evangelista MD, Asakura T, Gilmore RC, Hawkins P, Nakano S, West A, Schäfer A, Gralinski LE, Everman JL, Sajuthi SP, Zweigart MR, Dong S, McBride J, Cooley MR, Hines JB, Love MK, Groshong SD, VanSchoiack A, Phelan SJ, Liang Y, Hether T, Leon M, Zumwalt RE, Barton LM, Duval EJ, Mukhopadhyay S, Stroberg E, Borczuk A, Thorne LB, Sakthivel MK, Lee YZ, Hagood JS, Mock JR, Seibold MA, O'Neal WK, Montgomery SA, Boucher RC, Baric RS. SARS-CoV-2 infection produces chronic pulmonary epithelial and immune cell dysfunction with fibrosis in mice. Sci Transl Med. 2022 Sep 28;14(664):eabo5070. doi: 10.1126/scitranslmed.abo5070. Epub 2022 Sep 28. PMID: 35857635; PMCID: PMC9273046.

15 bis 120 Tage nach der Virusbeseitigung wurden in der Lunge histologische Befunde wie subpleurale Läsionen aus Kollagen, proliferative Fibroblasten und chronische Entzündungen, einschließlich tertiärer lymphatischer Strukturen, festgestellt. Die longitudinale räumliche Transkriptionsprofilierung ergab, dass in den erkrankten Regionen globale reparative und fibrotische Signalwege gestört sind, ähnlich wie bei menschlichem COVID-19.

  • Kruger A, Vlok M, Turner S, Venter C, Laubscher GJ, Kell DB, Pretorius E. Proteomics of fibrin amyloid microclots in long COVID/post-acute sequelae of COVID-19 (PASC) shows many entrapped pro-inflammatory molecules that may also contribute to a failed fibrinolytic system. Cardiovasc Diabetol. 2022 Sep 21;21(1):190. doi: 10.1186/s12933-022-01623-4. PMID: 36131342; PMCID: PMC9491257.
    • Wissenschaftlich gesehen besteht die größte Herausforderung bei Long Covid darin, dass herkömmliche Pathologietests, wie z. B. das CRP (C-reaktives Protein) im Serum, möglicherweise keine signifikanten abnormalen Entzündungsmarker zeigen, obwohl diese Tests nur die löslichen Entzündungsmoleküle messen. Erhöhte oder abnorme lösliche Biomarker wie IL-6, D-Dimer oder Fibrinogen weisen auf ein erhöhtes Thromboserisiko oder eine Immunreaktion des Wirtes bei COVID-19 hin. Das Fehlen von Biomarkern in den Standard-Pathologietests führt zu erheblicher Verwirrung bei Patienten und Ärzten, da die Patienten extrem krank oder sogar bettlägerig sind, ohne dass ein regulärer Grund für ihre Krankheit erkennbar ist. Die derzeit verfügbaren Biomarker können die in den von uns identifizierten Mikroklumpen vorhandenen Moleküle nicht nachweisen und sind daher nicht in der Lage, ihr Vorhandensein oder die Mechanismen, die ihre Bildung vorantreiben, zu bestätigen.
    • Methode: Hier wurde der Proteingehalt von doppelt aufgeschlossenen Mikro-Clots von 99 Patienten mit langer COVID und 29 gesunden Kontrollpersonen analysiert. Die an langer COVID leidenden Patienten gaben ihre Symptome anhand eines Fragebogens an, den sie selbst oder ihr behandelnder Arzt ausfüllten.
    • Ergebnisse: Die Symptome unserer Lomg-COVID-Kohorte entsprachen den globalen Ergebnissen, wobei die häufigsten Symptome ständige Müdigkeit (74 %), kognitive Beeinträchtigung (71 %) sowie Depressionen und Angstzustände (30 %) waren. Die bemerkenswertesten Ergebnisse waren, im Vergleich zu den Kontrollen, verringerte Plasmakallikreinspiegel, erhöhte Spiegel des Thrombozytenfaktors 4 (PF4), des von Willebrand-Faktors (VWF) und geringfügig erhöhte Spiegel von α-2-Antiplasmin (α-2-AP). Wir fanden auch eine signifikante Präsenz von Antikörpern, die in den Mikro-Clots eingeschlossen waren.
    • Schlussfolgerung: Die Ergebnisse bestätigen das Vorhandensein entzündungsfördernder Moleküle, die auch zu einer fehlgeschlagenen Fibrinolyse beitragen können, was möglicherweise erklären könnte, warum Personen mit langer COVID an chronischer Müdigkeit, Atemnot oder kognitiven Beeinträchtigungen leiden. Darüber hinaus wurde eine signifikante Hyperaktivierung der Blutplättchen festgestellt. Eine Hyperaktivierung führt dazu, dass der körnige Inhalt der Thrombozyten, einschließlich PF4, in den Blutkreislauf ausgeschieden wird. Insgesamt liefern unsere Ergebnisse weitere Beweise für ein fehlgeschlagenes fibrinolytisches System bei langen COVID/PASC und den Einschluss zahlreicher Proteine, deren Vorhandensein andernfalls möglicherweise unbemerkt bliebe. Diese Befunde könnten erhebliche Auswirkungen auf Personen mit bereits bestehenden Begleiterkrankungen, einschließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes, haben.

Long COVID. Die Ischämie kann durch die Blockierung der Kapillaren durch Fibrin-Amyloid-Mikroklumpen eingeleitet werden, beispielsweise zu Beginn der sportlichen Betätigung; die Reperfusion ist eine notwendige Folge davon, wenn diese beendet ist.

Vor einigen Jahren entdeckten wir, dass Fibrinogen im Blut zu einer anomalen "amyloiden" Form von Fibrin gerinnen kann, die (wie andere β-reiche Amyloide und Prionen) relativ resistent gegen Proteolyse (Fibrinolyse) ist. Das Ergebnis, wie es im plättchenarmen Plasma (PPP) von Personen mit Long COVID stark ausgeprägt ist, sind ausgedehnte Fibrin-Amyloid-Mikroklumpen, die persistieren können, andere Proteine einschließen und zur Bildung verschiedener Autoantikörper führen können. Diese Mikroklumpen lassen sich im PPP mit dem Farbstoff Thioflavin T und einem einfachen Fluoreszenzmikroskop mehr oder weniger leicht messen.

Plasma-Austausch, Plasmapherese

  • Yamada C, Hofmann JC, Witt V, Gupta GK, Winters JL; ASFA COVID-19 Taskforce. The report from ASFA COVID-19 taskforce: Considerations and prioritization on apheresis procedures during the SARS-CoV-2 coronavirus disease (COVID-19) pandemic. J Clin Apher. 2021 Dec;36(6):878-881. doi: 10.1002/jca.21939. Epub 2021 Sep 12. PMID: 34510542; PMCID: PMC8646674.:
    • Quite a number of case reports have shown that therapeutic plasma exchange (TPE) could effectively treat severely ill COVID‐19 patients. The main rationale for TPE in these patients is removal of cytokines caused by cytokine storm from SARS‐CoV‐2 infection. However, no report was found to investigate the removal of antibodies that those patients produced against the virus, the effect of reduced immunoglobulins, and decreased T‐cell counts after TPE on patients with SARS‐CoV‐2 infection was also reported. Additionally, the effects of TPE on vaccines or removal of medications for COVID‐19 such as remdesivir (plasma protein binding of 88%‐93%, volume of distribution is not reported) are also not investigated. Considering these potential adverse effects, TPE may not be appropriate for the patients with mild symptoms.
    • In addition, some cytokine removal devices are now available with or without using apheresis devices, although many of these devices are still under investigation and are not readily available.

Kommentar in einem Fachjournal

WebLinks

Artikel zum Thema Apherese auf Wikidot

Artikel zum Thema Covid-19 auf Wikidot


Die Beiträge in diesem Wiki zu "Erkrankungen und Behinderungen", gesundheitlichen Problemlagen und Indikationen erheben weder den Anspruch, umfassend noch hinsichtlich der Einsortierung in einer Rubrik immer unstrittig zu sein.
Die Beiträge sind aus sozialmedizinischem Blickwinkel und mit dem Schwerpunkt der sozialmedizinischen Begutachtung einsortiert. Aus der Einordnung in einer Rubrik resultiert weder eine Wertung noch eine objektive Feststellung hinsichtlich der Bedeutung einer gesundheitlichen Problemlage/Erkrankung.
Alle Darstellungen medizinischer Sachverhalte, Erkrankungen und Behinderungen und deren sozialmedizinische Einordnung und Kommentierungen hier im Wiki dienen nicht einer "letzt begründenden theoretisch-wissenschaftlichen Aufklärung", sondern sind frei nach Karl Popper "Interpretationen im Licht der Theorien."*

* Zitat nach: Bach, Otto: ''Über die Subjektabhängigkeit des Bildes von der Wirklichkeit im psychiatrischen Diagnostizieren und Therapieren''. In: Psychiatrie heute, Aspekte und Perspektiven, Festschrift für Rainer Tölle, Urban & Schwarzenberg, München 1994, ISBN 3-541-17181-2, (Zitat: Seite 1)

Alle medizinischen Aussagen und Informationen in diesem Wiki dienen nicht der medizinischen Beratung und können und sollen eine persönliche fachliche ärztliche Beratung nicht ersetzen!


Neue Seite anlegen

Sofern nicht anders angegeben, steht der Inhalt dieser Seite unter Lizenz Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License